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Zur Geschichte der medizinischen Fakultät der Universität Gießen / von Prof. Dr. Sommer und Priv.-Doz. Dr. Dannemann in Gießen
Entstehung
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Nächste Nachbarn der psychiatrischen Klinik sind die Insti- tute für Hygiene und pathologische Anatomie. Das erstere wurde 1896 unter Gaffky eröffnet, nachdem es seit der Berufung dieses Hygienikers zunächst in den gleichen Räumen untergebracht gewesen war, in denen einst Liebig seine großen Entdeckungen gemacht hatte; auf Gaffky folgte 1905 Kossel.

Das Fach der pathologischen Anatomie lag seit 1845 in den Händen Wernhers, des Chirurgen, der sich sehr dafür in- teressiert haben soll und speziell sich hervortat in der Bereiche- rung des pathologischen Kabinetts, das aus einer 1837 angekauften Sammlung Soemmerings hervorgegangen war. Zwar wurde er schon 1856 von der Professur für pathologische Anatomie entbunden, behielt aber die Sammlung unter sich bis zum Zeitpunkt der Er- richtung einer eigenen Professur für das Fach, die 1872 erfolgte. Als erster hatte sie Köster inne, seit 1874 dann kurz Langhans, ferner Perls( 1881), 1881 1883 Marchand, dem dann Boström folgte.

Als letztes der Institute finde das pharmakologische Er- wähnung, das, seit 1898 unter Gepperts Leitung, ebenfalls 1899 ein neues, wenn auch nur provisorisches Heim bezog. Schon in der ersten Hälfte des Jahrhunderts wird das Fach vertreten, zu- nächst 1837 durch Plagge aus Aurich, dann bis 1865 durch Phöbus (früher pathologisch-anatomischer Prosektor in Berlin). Weitere Inhaber des Lehrstuhls waren Buchheim(bis 1879) und Gaeth- gens(bis 1898). Unter Phöbus war das Institut Privatbesitz mit staatlichem Zuschuß, besaß auch schon eine reiche pharmakognosti- sche Sammlung, bis dann Buchheim ihm Räume in dem neuen Kollegiengebäude ausmachte.

Es erübrigt noch, einen Blick auf die Entwicklung der aus der Chirurgie hervorgegangenen Teilfächer der Ophthalmologie und Otiatrie inkl. Laryngologie, sowie auf das erst ganz neuerdings bekanntlich in den obligatorischen Studienplan der Studierenden aufgenommene Fach der Dermatologie zu werfen. Die Entwick- lung der Augenheilkunde an unserer Hochschule wird wesentlich gekennzeichnet durch die Namen Sattler(1877 1879), v. Hippel (1879 1890) und Vossius(Seit 1891). Letztgenannter wird als erster in dem der Vollendung entgegengehenden neuen Institut wirken. Indessen schon vor der Berufung Sattlers wurde Augen-

heilkunde in Gießen durch Wernhers Sohn, der Assistent bei

v. Graefe gewesen war, gelehrt. Wernher erteilte ophthalmo- logischen Unterricht von 18621876, er hat auch in diesem Fache geprüft. Ferner war von 18661876 als außerordentlicher Professor für Ophthalmologie in Gießen tätig Jacob Hugo Gerold von Aken a. d. Elbe(1814 1898). Er hielt Augenspiegelkurse und ope- rierte auch. Schon 1860 besaß Gießen ein aus privater Munifizenz hervorgegangenes, kleines, privates Hospital der Augenheilkunde, die sogenannte Balsersche Stiftung. Der naheliegende Versuch, aus diesem die Universitäts-Augenklinik zu entwickeln, scheiterte jedoch am Widerspruche des Kuratoriums, und so entstand, zunächst 34 Betten zählend, die Augenklinik als staatliche Neugründung,