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Zur Geschichte der medizinischen Fakultät der Universität Gießen / von Prof. Dr. Sommer und Priv.-Doz. Dr. Dannemann in Gießen
Entstehung
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der ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts noch als Vorstand der Anatomie, des botanischen Gartens und der zoologischen Sammlung. In seinen späteren Lebensjahren hat ihm sein Sohn Franz Josef Julius Wilbrand zur Seite gestanden, der erst

Assistent am Chirurgischen Hospital war, dann als Prosektor wirkte

und 1843 Professor der gerichtlichen Medizin und Hygiene wurde. Zahlreiche anatomische und physiologische Arbeiten von ihm sind

erhalten.

Wilbrands Nachfolger war Theodor Ludwig Wilhelm Bischoff, zu Hannover 1807 geboren, ein Freund Liebigs, der Er blieb Gießen leider nur bis 1854 erhalten. Alsdann ging er be- kanntlich nach München. Sein Name bedeutet zusammen mit dem- jenigen seines Schülers und Assistenten Eckhard für Gießen den Uebergang zu einer bewußt beobachtenden und experimentellen Methodik, im Gegensatze zu dem spekulativen Element, der natur- philosophischen Betrachtung. Schon als Bischoff zu dozieren be- gann, hatte man eine Trennung von Anatomie und Physiologie ins Auge gefaßt, die allerdings dann offiziell und definitiv erst sehr viel später erfolgte, de facto aber doch nach Bischoffs Weggang von Gießen einige Zeit hindurch bestanden hat. Bischoff er- scheint in den Personalbeständen als Direktor des anatomischen und des physiologischen Institutes, für die allerdings getrennte Gebäude nicht vorhanden waren, doch wurde 1846 die neue, noch jetzt be- stehende Anatomie bezogen, in deren Räumen damals Platz genug für beide Disziplinen vorhanden gewesen ist.

Bischoff las 1843 Entwicklungsgeschichte, und von 1844 an regelmäßig wechselnd im Winter Anatomie und im Sommer Physio- logie. Ihm folgte 1855 in der Direktion beider Institute Carl Ludwig Bruch von Mainz, neben dem aber in sicher schwieriger Situation der seit 1849 als Privatdozent und Prosektor in Gießen wirkende Conrad Eckhard Lebrauftrag für Physiologie er- hielt. Vor ihm war der ältere Bardeleben, später Chirurg in Berlin, Prosektor in Gießen, das er dann mit, Greifswald vertauschte. Erst 1860 ist Bckhard offiziell auch die Anatomie anvertraut wor- den, nachdem Bruch seiner Stellung wegen unliebsamer Vorkomm- nisse enthoben war.

Eckhards Wirken ragt nun bis in die jüngste Vergangenheit hinein. Er hat sich, Privatgespräche beweisen es, völlig bewußt als radikaler Vertreter der experimentellen Methode im Gegensatz zu der seine Studienzeit noch stark beeinflussenden naturphilosophi- schen Anschauungsweise betrachtet. Er sah in seiner Tätigkeit ein reformatorisches Moment im Gegensatz zur Hypothesenmacherei und Wortwissenschaft. Diesen eigenartigen, kritischen Geist hat er sich auch den Erscheinungen der letzten Jahrzehnte gegenüber stets bewahrt, sodaß er auch im hohen Alter noch vielen geistige Anregung gegeben hat. Nach seiner Auffassung konnte Anatomie nur in Verbindung mit einer exakten Funktionslehre richtig gelehrt werden, eine Auffassung, die uns für Wissenschaft und Unterricht besser erscheint, als eine zu scharfe Trennung von deskriptiver Mor- phologie und einer davon ganz unabhängigen, physiologischen