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supplicio affecti). 1698 ladet Bötticher ein, weist darauf hin, daß es„immo puerile“ sei,„imaginibus et figuris anatomicis in addis- cenda partium conformatione unice niti“ und mahnt in sachlicher, gegen den sonst um diese Zeit üblichen Schwulst vorteilhaft ab- Stechender Weise zum Studium an der Leiche.— 1703 laden Dekan und Professoren der medizinischen Fakmultät, ein zu einer mehr- tägigen Sektion durch Antonii, einen Militärarzt, in Vertretung des damaligen Anatomen Barthold, unter Hinweis auf die besondere Vorbildung, die Antonii in Frankreich, Holland und England für diese Aufgabe genossen habe. Den Studenten wird die Wichtig- keit des Faches auseinandergesetzt. Anatomie sei das Alphabet der Medizin,„quo fundamento neglecto reliquum aedificium corruat necesse est“. Aus 1704, 1706, 1709 liegen Einladungen Bartholds vor, zweimal handelt es sich dabei um Personen, die durch den Strick gerichtet waren.
Nur vereinzelt nahm der Anatom Gelegenheit, auch auf die Erklärung der Funktion der Teile sich einzulassen. Erst sehr viel später geschah das. Physiologen, die Besonderes geleistet hätten, kingen wir im 18. Jahrhundert in Gießen nicht. Anregungen, die ge- legentlich an berühmten Hochschulen auswärts studierende Hessen mitbrachten, sind nicht auf fruchtbaren Boden gefallen. Betrachtet man die Situation der Anatomie um das Ende des 18. Jahrhunderts, so begegnet man in Gießen noch bis 1798 Dietz, dem ein tüch- tiger Prosektor in Ferdinand Georg Danz zur Seite stand. Der letztere hat sich speziell mit fötaler Anatomie beschäftigt und gab unter Sömmerings Einfluß 1792/93 einen Grundriß der Zergliede- rungskunde des neugeborenen Kindes heraus, von dem Eckhard, der uns einen sorgfältigen Abriß der Entwicklung der Anatomie in Gießen handschriftlich hinterlassen hat, sagt, es sei ein sorgfältig und methodisch gearbeitetes Buch, in welchem neben der Anatomie auch Physiologie behandelt wird unter sorgfältiger Berücksichtigung der Literatur, sodaß man es als schönes Zeichen schriftstellerischer TPätigkeit in Gießens Vergangenheit ansehen könne.
Auf Dietz folgte der jüngere Nebel, der Physiologie, Patho- logie und forensische Medizin las. Neben ihm finden wir um 1800 an der Universität als Mediziner Müller für Chemie, Botanik und Materia medica, Posewitz für Anatomie und Hessert(1839 ge- adelt) für Chirurgie.— Noch im ersten Jahrzehnt des neuen Jahr- hunderts kommt nach Gießen ferner Wilbrand der Aeltere (1779— 1846). In den Händen dieses Gelehrten, der mit Goethe per- Sönlich befreundet war und korrespondierte, lag außer Anatomie und Physiologie noch die Vertretung der Zoologie, der Botanik, der allgemeinen Naturgeschichte und der Naturphilosophie. Aus allen Gebieten hat er vorgetragen. Allerdings stand ihm beim Unter- richt in der Anatomie ein sehr tüchtiger Prosektor in Werneckink vur Seite, der 1821— 1835 die Sezierübungen leitete. Wilbrand war für Physiologie lebhaft interessiert, er hat Publikationen über den Capillarkreislauf herausgegeben und eigenartige Anschauungen entwickelt, die allerdings später durch die Lehre von der Osmose entkräftet worden sind. Er figuriert in den Personalbeständen
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