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Zur Geschichte der medizinischen Fakultät der Universität Gießen / von Prof. Dr. Sommer und Priv.-Doz. Dr. Dannemann in Gießen
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bekanntlich die Bahnen wies. Ihm stand in Gießen ein, wenn auch bescheidenes, anatomisches Theater zur Verfügung, auch die Botanik erfreute sich seiner Fürsorge. Der große Haller, der als erster um jene Zeit den Weg biologischer Forschung beschritten hatte, war ihm persönlich befreundet. Literarisch trat er wenig hervor, was vielleicht durch mißliche Gesundheitsverhältnisse sich erklärt, wurde er dochmorbo hypochondriaco male vexatus.

Außer den Herts verdienen zahlreiche andere Erwähnung, so Valentini, in Gießen 1697 1729, Professor der Botanik, Arznei- mittellehre(er schrieb ein pharmakologisches Werk Museum mu- seorum 1701) und Zoologie, Leiter eines Theatrum zootomicum, zu- gleich interessiert für Medizinalgesetzgebung. Weiter Bötti- cher aus Braunschweig, in Gießen 1698 1701, Anatom, Chirurg und Botaniker, der eine Antrittsredede novis inventis anatomicis hielt und später nach Helmstädt und Berlin ging. Sodann Möller von Nidda, in Gießen 1700 1717, der sich speziell für Chemie inter- essierte und beim Antritt seiner Professurde principiis chymicis sprach. Weiter seien genannt Barthold aus Meißen, Böttichers Nachfolger als Anatom und Botaniker, 1702- 1713, dessen erstes Themade existentia dei et miranda sapientia ex herbaria re cognoscenda lautete. Ferner Verdries(1679 geboren), zunächst 1707 Professor der Naturgeschichte, dann Ordinarius der Medizin 1720, und gestorben 1736 während seines Rektoratsjahres, ein lite- rarisch sehr tätiger Mann(de aequilibrio mentis et corporis, de succi nutritii in plantis circuitu), der institutiones medicinae und praxis medicalis für ältere Studenten las. Weiter erwähnen wir Hensing den Aelteren, Nachfolger Möllers, dem 1723 ein Lehr- stuhl in der medizinischen und philosophischen Fakultät übertragen wurde und der als erster einem vom Landesfürsten gegründeten Laboratorium chymicum vorstand. Er starb schon 1726, erst, 43 Jahre alt. Eine kurze Zusammenstellung der Lebensdaten der Gießener medizinischen Professoren, 1802 durch Nebel ausgeführt, betont besonders, daß er ein Feind der Alchymie gewesen sei.

Auch sein Schwiegersohn Hilchen, der 1730 Ordinarius für Medizin wurde, war für Chemie interessiert, er habilitierte sich mit einer Redede ficto et vero chymicae in medicina usu und dozierte bis 1754. Nach Hert des Jüngeren Tode 1748 war er eine Zeit hindurch einziger Professor der Medizin in Gießen. Wenig ist be- kannt von Valentini dem Jüngeren, der 1720 1727 dozierte, um dann weiterhin als Arzt außerhalb Gießens zu wirken, von Gerhard Pabor, 1734 1740 ordentlicher Professor, zugleich Militärarzt in Gießen, und von Gerhard Andreas Müller, der 1751 in die mehrere Jahre nur aus Hilchen bestehende Fakultät gelangte. Er lehrte ebenfalls noch Anatomie, Botanik und Chirurgie zu- sammen bis an seinen Tod im Jahre 1762.

Hilchen war über längere Zeit der alle überdauernde Träger der Traditionen der Fakultät, zahlreiche Kollegen sah er scheiden oder mußte sie zu Grabe geleiten, so Hensing den Jüngeren, seinen Schwager, der nur ein Alter von 26 Jahren erreichte(ge- storben 1745), aber recht Tüchtiges leistete. Er war der Nachfolger