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In der nun folgenden, zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts be- stand die Fakultät zumeist aus drei Professoren. Nennung ver- dienen noch Metzger aus Schweinfurt(in Gießen 1653— 61), der später nach Tübingen ging(Anatom und Botaniker), Strauss aus Ulm(1633— 87), der unter anderem über Extrauterinschwangerschaft geschrieben hat(foetus extra uterum retentus), Heiland aus Leipzig, der Anatomie, Botanik und Chirurgie vertrat. Er war 15 mal Dekan, 4 mal Rector, sorgte für den botanischen Garten und stiftete für seine Zeit beträchtliche Summen für die Witwen der Fakultät, für diese selbst, für ein zu gründendes anatomisches Theater etc. Eine alte Biographie von ihm bezeichnet ihn speziell als Preund des Galen und Feind des Descartes. Die Alten wur- zelten eben auch damals noch fest, und Hippokrates fand noch immer neue Bewunderer und Interpreten.
Kurz waren die akademischen Laufbahnen des Hieronymus Rötel aus Frankfurt(1661— 63) und DTacks des jüngeren(Professor 1675— 78), der mit 33 Jahren an„Melancholia“ erkrankte infolge von„laboribus praecocibus et improbis“, und dann noch über 30 Jahre„delirus et mentis impos“ in Gießen weiter lebte. Be- merkenswert ist übrigens, daß sein Vater sich mit Untersuchungen über die Quadratur des Kreises beschäftigt hatte.
Heilands Nachfolger war Dillenius, der bis 1720 wirkte.
Es sind noch größtenteils„philologische“ Mediziner, welche diese Zeit ausfüllen, aber langsam kommt doch die Naturbeobach- tung und die Empirie zur Geltung, man fängt auf medizinischer Seite an, Interesse an der Natur zu finden, Botanik und Physik werden stets höher geschätzt, die Mängel der Alten werden mehr und mehr erkannt, man beginnt langsam sich von den Banden der Scholastik frei zu machen. Freilich der Besuch der Universität wollte nach der Wiederherstellung zunächst sich kaum heben und
war weit davon entfernt, sich so glanzvoll zu gestalten wie im
ersten Dezennium nach der Gründung. 1657 sollen sogar nach den Regesten der Fakultät nur zwei Mediziner in Gießen studiert haben. 1667, wurde, wohl sicher eine Folge des Mangels an Zuhörern, sogar beschlossen, die Professuren der Medizin möglichst, auf die Zwei- zahl zu reduzieren. Lange währte es, bis die schwere Krisis, die als Folge des 30 jährigen Krieges ja allerdings auch an anderen Orten bestand, überwunden war.
Unter den Medizinern der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ragen die beiden Hert, geborene Hessen, hervor. Der Vater, aus Niederkleen kommend, wurde 1692 Professor und starb 1730. Er war mehr ein Mann der Praxis, fungierte als Leibarzt einer ganzen Reihe von Fürstlichkeiten. Ein von ihm erhaltener Kupferstich zeigt den weltgewandten, höfischen Aræt, voll Würde die Allonge- perücke tragend:„Der Hessen Kesculap, der Höfe Podalir, der alten Aerzte Ruhm, der große Hert steht, hier.“— Hert der Sohn, beim ersten Säkularfest der Universität zum Doctor kreiert, folgte ihm im Primat der Fakultät und starb. Er war ein Schüler Friedrich Hoffmanns zu Halle, welch letzterer neben Boer- have und Strahl der medizinischen Forschung des Jahrhunderts
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