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Zur Geschichte der medizinischen Fakultät der Universität Gießen / von Prof. Dr. Sommer und Priv.-Doz. Dr. Dannemann in Gießen
Entstehung
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in jener ersten Zeit der Universität speziell Württemberger und- Sachsen(1618 kam noch Müller von Torgau hinzu, ein Halbbruder Horsts) heranzog. Es bestand eine Neigung in Darmstadt, sich an die Tübinger Fakultät zu wenden, und mit Sachsen war man so- wohl konfessionell alliiert, als auch durch Dankespflichten verbunden.

d maß Hatte doch dieses Land die Bemühungen Ludwigs V. um Erlangung hinter- der Universitätsprivilegien in Prag eifrigst unterstützt. r zwei Alles in allem kann man sagen, daß die neue Hochschule für Disser- ihre Zeit eine anerkannte medizinische Vertretung hatte und Mar- als den burg darin übertraf. Zeitgenossen rühmen die Zugkraft gerade der 1 Mediziner in den ersten Jahren nach der Eröffnung der Hochschule. ng aus Was gelehrt wurde, war allerdings in erster Linie noch humanistisch ch eine aufgefrischte Scholastik, Hippocrates und Galen sind noch die be- Leben wunderten Vorbilder. Doch finden wir auch schon in jener vor- cartesianischen Zeit erfreuliche Anfänge der naturwissenschaft- captus lichen Beobachtung; Botanik und Physik erregten das Inter- Fürsten esse in stets zunehmendem Maße. Horst trieb mit Eifer Anatomié, eit drei er sezierte als besonderes Schaustück für die Mediziner 1614 eine für 50 weibliche Leiche, darnach eine trächtige Hirschkuh und ließ 1617 nn aus die Sektion eines männlichen Körpers folgen. Nach seinen Schriften 9 ange- hat er auch pathologische Anatomie getrieben. So berichtet er im men in Buche IV seiner Observationes über die von ihm angestellte Ob- m ein. 1 duktion eines an einem Leberscirrhus(jecur scirrhosum) gestorbenen ter von Scorbutkranken. Pharmazeutische Darlegungen, Abhandlungen über auten- Frauenkrankheiten, Lepra, Trichiasis, Infektionskrankheiten etc. emberg, füllen in buntem Durcheinander seine Schriften. Gegen die Lues em der gallica, die er in zahlreichen Fällen genauer beschreibt, gab er te sich übrigens schon Quecksilber(mercurius dulcificatus). Ein genaueres zen mit Eingehen auf seine interessanten Krankengeschichten und Briefe erfahren an fremde Aerzte(oft behandeln sie uns recht seltsam anmutende rühige, 1 Themata, z. B.de cujusdam puellae singulari foetore) müssen wir at über uns leider an dieser Stelle versagen. Es sei nur noch einiger unter man die 3 ihm verfaßter Dissertationen gedacht. Ein gewisser Bilitzer dis- putiert da überparalysis, ein Joachim Köppen aus Magdeburg unger- 1 über Epilepsie. Eine ganze Reihe seiner Schüler läßt erde diffe- Tagen. rentiis et causis morborum promovieren. Einer davon ist aus Speier, olge der 4 ein anderer aus Torgau, einer aus Hamburg, ein vierter aus Leipzig, 5 fest⸗ andere sind aus der Mark, aus Franken, aus Holstein, ein Beweis, 2 daß die Hochschule keineswegs allein von lokaler Be- h ein deutung war, sondern weither Zuzug hatte. Daß die Fa- IL kultät für ihre Schutzbefohlenen väterlich besorgt war, ist aus der nre Hen originellen Schrift Horstsde tuenda sanitate studiosorum val Cu0 zu entnehmen. Seine Fürsorge geht darin sogar so weit, daß er die ren studierenden Jünger Kesculaps vor dem Genuß von Austern warnt: den Sbu-quas luxus et appetitus Magnatum in Germaniam introduxit. Vi sua trus di⸗ falsa appetitum stimulant eademque de causa venerem excitare Engel. dicuntur, sed minus nutriunt, difficulter coquuntur et ventriculum Eintritts- pituitosis humoribus replent. Er gibt ihnen auch Mittel an, wie en. sie ihr dünngewordenes Haupthaar restaurieren können! ginischen Nach Horsts literarischer Hinterlassenschaft zu urteilen, war

Skindern 4