profes Ludwigs, seinen Landen eine Universität zu gewinnen, sehr will- nische kommen sein. Denn es war damit dem lutherischen Landgrafen tracht die Gelegenheit geboten, sich zum Förderer einer Opposition auf- dabei zuwerfen, welche sich in Bälde zu Marburg gegen die stets intensivere nahe calvinistische Beeinflussung der Universität seitens Moritz bildete. Zusanm Wohl davon unterrichtet, daß man in Darmstädtischen Landen auf ausget die Gewinnung einer eigenen, den Standpunkt strengen Luthertums des F. verfechtenden Hochschule sehr bedacht sei, sah der Fürst sich so- deutli- mit in der günstigsten Lage bezüglich der Durchführung seines tesian Verlangens, durfte er doch bei den Seinen auf eine Zustimmung tesiu rechnen. In kluger Benützung der Sachlage bot er also mehreren B durch Moritz mit der Entlassung bedrohten Marburger Theologen der 6 (Winkelmann, Leuchter, Mentzer, Dietrich) Unterkunft in seinen einen Landen. Doch hatten diese sich schon einige Tage früher in richte Gießen eingestellt, nachdem es in Marburg zu heftigen Tumulten der Li gekommen war. Die Bürgerschaft und ein großer Teil der Studenten tät ne hatten für das Luthertum Partei ergriffen, Moritz selbst mußte mit sich. Waffengewalt Ruhe schaffen, und die genannten Professoren der nachd von so unerquicklichen Händeln umtobten Hochschule zogen es mit d vor, sich nach Gießen in Sicherheit zu bringen, ehe man sie viel- zu ger leicht zu Märtyrern ihrer Sache machen konnte. Halle. So war man in Hessen-Darmstadt mehr und mehr in eine war n Position gedrängt, die nach Entscheidung verlangte. Ludwig traf berief sie im Sinne der Trennung von Marburg und überließ die 1öl; Organisation der Neugründung dem rührigen Mentzer, nachdem und z man noch kurze Zeit geschwankt hatte, ob Gießen der geeignete kaum Platz sei, oder ob ein anderer gewählt werden solle. Lange Mühen schon mußte Ludwig erst noch durchkämpfen, galt es doch, im beständigen p Kampf gegen Kasseler Intriguen am kaiserlichen Hofe des grüble- Aufen rischen Rudolf zu Prag so weit zu gelangen, daß der neuen Schule eigent Privilegien erteilt wurden bezüglich vieler Einzelheiten, speziell nen der Berechtigung zu Promotionen, ohne welche eine Hochschule daren nicht lebensfähig gewesen wäre. Aber das Ziel wurde erreicht, und dae im Mai 1607 konnte Ludwigs tüchtiger Rat Strupp von Geln- I hausen seinem Herrn die Gründungsurkunde überreichen. lne e Theologie und Jurisprudenz waren zunächst allein an der vorerst äbar „Gymnasium“ genannten Neugründung vertreten, bald kamen zwei— 8 Philologen hinzu, Fink und Helwicus aus Sprendlingen, damals van ein Mann von erst 24 Jahren, aber in seiner Zeit hochgeschätzter Hae Orientalist, der bereits 1617 durch Tod abging. doles Will man den Anfängen der medizinischen Fakultät in i Gießen nachgehen, so fragt es sich, wie sich die strengen Luthe- ulre raner jener Zeit zu den Anfängen naturwissenschaftlicher Betrach- 4 Si tung gestellt haben, die damals im Beginn des 17. Jahrhunderts in lerg der Zeit vor Cartesius trotz des im allgemeinen noch überwiegen- der P den Einflusses der Scholastik doch schon deutlich vorhanden waren. ctu⸗ Betrachtet man die außerordentlichen Wirkungen, welche die und G mechanische Gehirnphysiologie Descartes auf die Biologie im all- lutet gemeinen und die Medizin im besonderen überall gehabt hat, so ist ein Einfluß derselben auch auf die damaligen Gießener medizinischen
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