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studiert hatte und 1672 dort Licentiat der Theologie geworden war und 1708 als Stadtpfarrer und Dechant in Schwabach starb. Auch der Sohn wurde später Licentiat, wohl doch zu Altorf, obgleich es ihm dort nach Kempffers Angabe bei der Disputation nicht glänzend ergangen war. Nach einem unruhigen akademischen Wanderleben ging er 1712 in Augsburg zur römischen Kirche über, scheint aber da seine Rechnung nicht gefunden zu haben und wurde 1725 in Leipzig wieder Protestant. Nachdem er sich sodann eine Zeit lang in Gotha und in Holland aufgehalten, wurde er auf der Rückreise im Fuldischen auf kaiserlichen Befehl östgenommen und starb im Gefängnisse zu Eger.— Die vollständigsten, wenn auch immerhin noch dürftigen, Nachrichten über den räthselhaften Mann finde ich in Zedlers Universallexikon, XX., S. 28 ff., wo auch seine unbe- deutenden Schriften verzeichnet sind; vgl. Weismann, Introductio in memorabilia ecclesiastica. Halae 1745, II, p. 471, 504.— Die Disputation mit Meelführer nun, bei welcher Kempffer mit ganz besonderem Wohlgefallen verweilt, war im Grunde doch nur ein Stück akademischer Renommisterei, wie sie damals öfter vorkam. Dem genialen Christoph Helwig(geb. 1571), welcher zu Marburg mit 14 Jahren Baccalaureus, mit 18 Magister geworden war, sagt man nach, dass er dort und nachher in Giessen in hebräischer Sprache disputiert habe; Chr. M. Pfaff(geb. 1686) hat 1702 im Stift zu Tübingen bei Gelegenheit einer herzoglichen Visitation eine samaritanische Rede gehalten und von Dilherr in Jena(† 1669) heisst es, dass er im Stande gewesen sei, in 8 Sprachen zu disputieren. Tholuk, a. a. O. I., S. 143 f.
37) Der„Tractat“ des berühmten Maimonides(† 1204), dessen Kempffer gedenkt, ist in seinem grossen Ritualcodex Jad chazaka(vgl. Deut. 17, 18) der 2. Abschnitt des 2. Buchs, welcher den Titel führt nr -2e 1”, d. i. Gebet und Priestersegen, und im 14. und 15. Capitel die Satzungen über den Priestersegen enthält. Vgl. Wolf, I, p. 841.— Den von Kempffer erwähnten Tractat Meelführers, welchen ich nicht einmal in irgend einem Verzeichnisse der Schriften Meelführers genannt sehe, habe ich durch einen glücklichen Zufall noch vor Thorschluss auf niesiger Universitätsbibliothek unter den Schriften von J. H. May auf- gefunden. May aber, obwohl Präses bei der Disputation, ist doch in die- sem Falle nicht auch der eigentliche Autor der Dissertation gewesen, son- dern hat ihr nur auf zwei Seiten ein lateinisches Glückwunschschreiben an Meelführer als ihren Verfasser beigegeben. Er erwähnt hier, dass früher schon Menno Hanneken in Marburg, Helwig in Giessen, Bohl in Rostock hebräisch disputirt hätten, und man wird es nicht als ein Zeug-


