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war, welcher znerst in Strassburg, dann in Durlach lebte und hier als Bürgermeister gestorben ist, dass er in Giessen studierte, 1693 Magister wurde und nachher Lehrer am Pädagogium, nach 3 Jahren aber seine Entlassung aus dieser Stellung bewirkte,„weil er sich entschlossen, mit allem Ernst sich auf die Sprachen zu legen und solche als Stipendiaten- major und Magister zu lehren“ und dass er dieses auch mit Fleiss und grossem Beifall bis an seinen Tod 1716 gethan, indem er zugleich, wie Kempffer, J. H. May in dessen philologischen Lehrfächern vertrat. Das ungünstige Urtheil, welches Kempffer über ihn fällt, dürfte aus einer per- sönlichen Misstimmung über den Collegen hervorgegangen sein; denn Bürcklin war als Gelehrter und Lehrer keineswegs ohne Verdienst. Schon das erweckt ein günstiges Vorurtheil für ihn, dass er gleich beim Beginn seiner schriftstellerischen Thätigkeit des trefflichen Mercier(Mercerus) Com- mentar über die 5 ersten unter den kleinen Propheten neu herausgab (Giessen. 1695), sowie, dass er später in Gemeinschaft mit J. H. May die 3. Ausgabe des Clodius'schen A. T. besorgte(Frankfurt a. M. 1716). Auch im Aethiopischen galt er für so tüchtig, dass Chr. M. Pfaff, 1709 auf sei- ner wissenschaftlichen Reise aus England zurückkehrend, sich eigens nach Giessen begab, um bei ihm diese Sprache zu lernen: Hiob Ludolf war 1704 gestorben. Ja nach dem, was in der vorigen Anmerkung über Bürcklins Verhältniss zu„den 4 Capiteln“ angeführt worden ist, stand er nicht einmal der Edzardischen Methode so fremd gegenüber, als es nach Kempffers Bericht scheinen möchte.— Strieder, III, 60 ff., 337 f.
35) Immanuel Tremellius, ein geborener Jude(geb. zu Ferrara 1520, † als Professor zu Sedan 1580) verfasste auf Veranlassung Fried- richs III. von der Pfalz und mit Unterstützung seines Schwiegersohnes Franz Junius(geb. zu Bourges 1545, † als Professor zu Leyden 1602), welcher die Apokryphen allein bearbeitete, zu Heidelberg, wo beide damals Professoren waren, eine Uebersetzung des A. T. und des N. T., des letzteren aus dem Syrischen. Sie erschien zuerst Frankfurt a. M. 1575— 79 und hernach öfter, in London, Genf und Hanau, wurde aber in den späteren Ausgaben, namentlich nach Tremellius' Tode, von Junius selbst vielfach verändert. Die beste und vollständigste Ausgabe hat Paul Tossanus besorgt: Hanau. 1624 f. Vgl. O. F. Fritzsche in dem Axtikel„Vulgata“ bei Herzog, XVII, S. 453 f.— Bürcklins Dissertation, auf welche Kempffer Bezug nimmt, führt den Titel De interpretatione Junio-Tremelliana in Hebracam linguam et accentuationem impingente. Gissae. 1696. 4.
36) Dieser kühne Studiosus war Rudolph Martin. Meelführer, der Sohn von Joh. Christoph M., welcher auch seiner Zeit in Giessen


