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hielt. Als 1623 Marburg nebst anderen zum Antheil des Landgrafen Moriz gehörenden Districten durch Spruch des Reichshofraths dem stets gut kaiserlichen Ludwig V zugetheilt worden war, wurde die Giessener Universität nach Marburg verlegt, kehrte aber in Folge der im westphäli- schen Frieden festgesetzten neuen Eintheilung im Jahre 1650 nach Giessen zurück. Das ganze Jahrhundert hindurch hatte sich Giessen unter den lutherischen Hochschulen Deutschlands eines guten Rufs und besonderen Ansehens zu erfreuen. Während aber in den beiden ersten Decennien des Bestehens der Universität bei ihrer theologischen Facultät, welche da- mals an Balthasar Mentzer ihren hervorragendsten und einen höchst wür- digen Repräsentanten hatte, der Eifer für die reine Lehre noch im Dienste einer wahrhaft evangelischen Gesinnung und eines praktischen Christen- thums stand, waren Mentzers beide Schwiegersöhne, Feuerborn(† 1656) und Haberkorn(†+† 1676), als sie 1650 mit der Universität nach Giessen zurückkehrten, Vertreter jener einseitigen scholastischen Polemik geworden, welche in Calov ihre vollkommenste Verkörperung gefunden hat. Noch heute, nach mehr als zweihundert Jahren, kann man wohl in Giessen das geflügelte Wort aus jener Zeit zu hören bekommen: Der Feuerborn und Haberkorn, Die haben die ganze Welt verworrn.
Dass nach dem Tode Haberkorns und des bald nach ihm verstorbenen Balth. Mentzer 11(1679) ein freierer und milderer Geist in Giessen ein- ziehen durfte, ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass nach dem frühen Tode Ludwigs VII.(1678) die Landgräfin Wittwe Elisabeth Doro- thea, eine Tochter Ernst des Frommen von Gotha und der Richtung Spe- ners zugethan, als Vormünderin ihres Sohnes, des erst zehnjährigen Thronfolgers Ernst Ludwig, zu bedeutendem Einfluss gelangte. Von den Männern jener Richtung aber, welche für Giessen gewonnen wurden, ist Johann Heinrich May weitaus der bedeutendste. Im Jahre 1653 zu Pforzheim als Sohn eines Predigers geboren, begann er 1671 zu Wittenberg sein akademisches Studium, musste aber bald, weil seine Eltern im Kriege um all das Ihre gekommen waren, darauf Bedacht nehmen, sich selbst seinen Unterhalt zu erwerben. Wie Kempffer im Begriffe nach Schweden zu gehen, lernte er in Hamburg Edzard kennen, der ihm eine Stellung in Kopenhagen verschaffte und die Möglichkeit, den Winter über dort seine Studien fortzu- setzen. Darauf fand er zwei Jahre lang in Edzards Hause Aufnahme, wo er dessen Unterweisung genoss und zugleich die drei Söhne seines Lehrers unterrichtete. Seine Vita Jo. Reuchlini(Frankfurt u. Speier. 1687) hat er mit Worten des wärmsten Dankes seinen Hamburger Lehrern Edzard und


