ich von erwehntem Hrn. L. Edzardo weitere Instruction, wie ich das Stu- dium continuiren möchte. Da mir denn gerathen ward, erstlich lectionem cursoriam zu absolviren, und dann in secunda lectione grammaticam gründlicher zu erlernen, in tertia lectione den Glassium, in 4ta das Chal- däische, in 5ta das Michlal Jophi, in 6ta die biblia Buxtorfii zu tractiren. Welchem methodo ich auch nachzukommen bedacht war, weil ich aber mich auff die 1 ½ Jahr bey den meinigen zu Gotha auffhalten muste, fehlte es mir an Gelegenheit zu einem und dem andern. Daher ich in wehrender Zeit die Ebräische Bibel an sich selbst nebst der Philologia sacra Glassii desto fleissiger durchtractirte und, so viel ich mich erinnere, Biblia hebraea wol sechsmahl absolvirete.“ Zum Bücherschreiben hatte Edzard keine Lust, und er bemerkte gegen J. J. Schudt, der ihm darüber Vorhalt ge- than,„dadurch würden die Leute nur faul gemacht; andere solten sich auch fleissig hinter die Bücher machen, so würden sie eben das finden,
was er gefunden.“ Seine wenigen Dissertationen— es sind eigentlich nur 4, die ihm wirklich angehören— sind im Hamburger Schriftsteller- lexikon und bei Moller verzeichnet.— Vgl. über den merkwürdigen Mann
besonders die aus persönlicher Bekanntschaft lebendig geschöpfte Darstel- lung in Schudts Jüdischen Denkwürdigkeiten. Frankfurt u. Leipzig. I, S. 377 ff., ausserdem: J. A. Fabricius, Memoriae Hamburgenses. II. Hamburgi. 1710, p. 1033— 44; Moller, Cimbria literata, III, p. 221— 227; Lexikon der Hamburgischen Schriftsteller. II, S. 126 ff., Klose bei Lilien- cron II, S. 650 f.; C. W. Gleiss, Esdras Edzardus, ein alter Hamburger Judenfreund. 2. Aufl. Hamburg. 1871; Plitt, Gesch. der luth. Mission. Erlangen. 1871, S. 166 f.
11) Kempffers an einer späteren Stelle noch einmal ausgesprochene besondere Vorliebe für Hamburg erklärt sich nicht etwa aus seinem Wohl- gefallen an dem Reichthum und dem Wohlleben der so mannigfaltig bevor- zugten Stadt, sondern aus der dankbaren Erinnerung an die geistige An- regung und Förderung, die ihm dort geworden war. Infolge einer gesunden Theilung der Arbeit gönnt und gibt der Hamburger Kaufmann auch dem Manne der Wissenschaft gerne die ihm gebührende Ehre, und der als materiell verschrieenen Stadt hat es in alter und neuer Zeit niemals an ausgezeichneten Vertretern der geistigen Interessen gefehlt. Im dreissig- jährigen Kriege bildete Hamburg inmitten der allgemeinen Verwüstung eine durch die besondere Gunst der Umstände geschützte Oase, und was anderen Orten zum Verderben gereichte, förderte ihr Wachsthum und Ge- deihen. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts schrieb Balthasar Schupp: „Als im verwichenen dreissigjährigen Kriege ganz Deutschland unter der


