orientalische Sprachen, genoss dann in den letzteren ein halbes Jahr lang den Unterricht des Rectors Zechendorf und des Conrectors Daume in Zwickau, wandte sich von da zu dem jüngern Buxtorf in Basel und voll- endete seine Studien in Strassburg, Giessen, Greifswalde und Rostock, wo er 1656 Licentiat der Theologie wurde. Nach Hamburg zurückgekehrt, schlug er, in sehr günstigen oekonomischen Verhältnissen lebend, die ihm angebotenen amtlichen Anstellungen aus und widmete sich bis zu seinem Tode(1708) in uneigennütziger Hingebung einerseits dem Werke der Judenbekehrung, andererseits der unentgeltlichen Unterweisung junger Ge- lehrter im Hebräischen und den verwandten Dialekten. Wie hoch man ihn als Lehrer schätzte, geht aus dem Rathe hervor, welchen Spener in seinen Theologischen Bedenken gibt(I, S. 420):„Im Hebräischen wird noch mehr Fleiss anzuwenden sein; vielleicht aber gibts Gelegenheit bei Hrn. Lic. Edzardi in Hamburg sich eine weile aufzuhalten, welches nie keinen gereuet hat, so sich seiner bedienet.“ J. H. May, A. H. Francke, H. von der Hardt, Danz, Chr. Matthäus Pfaff und andere namhafte Hebraisten und Theologen jener Zeit sind seine Schüler gewesen. Für seine Methode, deren in der Einleitung gedacht worden ist und die auch Kempffer selbst(s. o. S. 19) kurz charakterisiert hat, ist bezeichnend was A. H. Francke berichtet(Kramer, Beiträge zur Geschichte A. H. Francke’s. Halle. 1861, S. 36); es beweist, wie Edzard in der hebräischen Grammatik immer nur das Mittel sah, den Grundtext des Alten Testamentes gründlich zu verstehen, und darum vorzugsweise auf fortgesetzte fleissige Lectüre drang: „Darauf reisete ich nach Hamburg, weil es in Kiel mit dem Hebräischen nicht recht mit mir fortgewolt, da ich zwar etliche mahl einen neuen An- fang gemacht hatte, aber zu keiner gründlichen Wissenschafft darinnen durch den gemeinen methodum hatte gelangen mögen, da man erst sich mit der Grammatica und dem analysiren sehr lange auffhält, che man die Bibel selbst durchzulesen sich getrauet. Daher suchte ich bey dem Hrn. L. Edzardo in Hamburg diesen Fehler zu ersetzen, begab mich an seinen Tisch, und nahm die Stube in seiner Nachbarschafft, und wante alle Zeit drauff nach seinem methodo so gut ich konte, linguam hebraeam zu trac- tiren. Ich rühme auch hierinnen des lieben Mannes treue und Fleiss von Grund meines Hertzens, als der sich auch die Mühe nicht verdriessen lassen, ohne leiblichen Entgelt viel Zeit auf mich zu wenden, und mir in meinen dubiis, welche mir in Lesung der Schrifft oder auch quoad metho- dum vorkamen, zu helffen. Ich kam also bei ihme mit Lesung des A. T. biss an den Propheten Esaiam, so viel ich mich erinnern kan, und da ich. nach zwey Monahten von den meinigen nach Hause gefordert ward, nahm
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Andreas Kempffers Selbstbiographie / nach der Giessener Handschrift zum erstenmal herausgegeben eingeleitet und erläutert [von Gustav Adolf Ludwig Baur]
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