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Andreas Kempffers Selbstbiographie / nach der Giessener Handschrift zum erstenmal herausgegeben eingeleitet und erläutert [von Gustav Adolf Ludwig Baur]
Entstehung
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ständig die Regierung führte(166897), brachte er in der Kirche wie im Staate seinen absoluten Willen zur Geltung. In diese Zeit einer, allerdings geschichtlich begreiflichen, politischen und kirchlichen Reaction fallen die Jahre, während deren Kempffer in Upsala studierte, und es kann unter diesen Umständen nicht Wunder nehmen, dass er keine Theologen von selbständiger Bedeutung namhaft zu machen hat; auch Spener konnte damals den Wunsch nicht unterdrücken, dass den schwedischen Univer- sitäten vom Ausland her frischeres Blut zugeführt werden möge(Cons. lat. III. p. 652). Der Cartesianismus, dessen Kempffer als in Upsala herr- schend gedenkt, und welcher nach dem Streite zwischen Ramisten und Aristotelikern auf eine Weile das Feld behauptete, wurde damals haupt- sächlich von Joh. Billberg vertreten, unangefochten, so lange Billberg Professor der Mathematik war, und erst als er 1689 Professor der Theologie wurde, zu Widerspruch und Anklage reizend. Von dem Orientalisten Peringer wird in der 12. Anmerkung die Rede sein. Tholuck, a. a. O. II., S. 166 181; Ranke's Excurs über Christine von Schweden in der Geschichte der Päpste, 6. Aufl. III., S. 52 69.

9) In dem an edeln Metallen so armen Lande war Kupfervaluta üblich und gab dem schwedischen Kupfergeld für den inländischen Ver- kehr einen höheren Werth, den es natürlich im Verkehr mit dem Aus- lande nicht behaupten konnte. Kempffer wird also seinen Kupferschatz bei einem mit Hamburg in Verbindung stehenden Geschäft in Hamburger Geld, oder in einen auf dort lautenden Wechsel umgesetzt haben.

10) Esdras Edzard schreibt sich selbst immer Edzardus und in derselben Form findet sich der Name bei gleichzeitigen Schriftstellern, wie J. H. Mayer, A. H. Francke, J. J. Schudt, J. A. Fabricius. Man ist also berechtigt, ihn mit Weglassung der lateinischen Endung Edzard zu nennen. Die falsche Namensform Edzardi ist dadurch üblich geworden und bis heute vielfach üblich geblieben, dass sein Grossvater Edzard Lu- dolf Middochius hiess und dessen Sohn nach damaliger Sitte aus dem Vornamen des Vaters seinen Stammnamen Edzardi bildete, dem er dann zu Ehren seines mütterlichen Grossvaters noch den Namen Glaneus bei- fügte. Als Sohn dieses Jodocus Edzardi Glaneus, welcher 1626 Pastor an der kleinen, 1661 erster Prediger an der neuen grossen Michaeliskirche zu Hamburg wurde, war Esdras 1629 geboren. Dass er ein getaufter Jude gewesen sei, ist ein von Basnage(Hist. des Juifs, L. 7, C. 31, p. 2080) wohl zuerst begangener und seitdem oft wiederholter grober Irrthum. Im akademischen Gymnasium seiner Vaterstadt vorgebildet, studierte er von 1647 an in Leipzig, Wittenberg und Tübingen Theologie, Philologie und