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hören. Das ist ein Elend, dass keine Justitz vor einem ehrlichen Mann zu finden, hab die Sach durch einen Notarium publicum vortragen lassen, werde sehen, was darauff erfolgen wird. Ich glaub Gott werde einen Wohlgefallen an meiner Arbeit haben, sonst hette er mir nicht ein so langes Leben geschenkt. Ich lebe nun in dem 85. Jahr und hab biss dato mein Ampt mit Predigen verrichtet, habe bey 18 Jahr einen Ad- junctum gehabt, seine Kinder wachsen auch auff. Gott hat mir eine Tochter bescheret, welche nun 16 Jahr ist, mit welcher Hebräisch, Latein und Frantzösch tractire, welche in hac solitudine mein einiges Vergnügen machen muss. Sie hat eine recht tödliche Krankheit vor etlichen Wochen aussgestanden, aber Gott hat sich meiner erbarmet, dass sie dem Tode entrissen worden. Dieses ist, lieber Sohn, was von meinem armen Leben hab auffsetzen können. Man wird zum wenigsten etliche Spuren göttlicher Providentz darinn finden. Ich lasse den Herrn Professor Neubauer hertzlich grüssen, lässet mir Gott das Leben, werde ihm weiter bekandt werden ¹⁴¹).
1. Beilage.
Die der Handschrift der Selbstbiographie beiliegende Lebens- beschreibung Kempffers von anderer Hand.
M. Andreas Kempfer ist gebohren zu Lemgo in der Grafschafft Lippe 1658 den 15. Julii hora 3. pomerid. minut. 3. Sein Vatter war M. Johannes Kempfer, Pastor senior und Scholarcha daselbst.
Er studirete 3 Jahr anfangs auf der Universitaet Jena und habilitirete sich besonders in philologicis unter Anweisung M. Daniels Weimars. Im 21. Jahr seines Alters reisete er mit seinem Bruder Engelbert Kempfer nach Stockholm, da aber dieser anno 1682 als Legations-Secre- tarius mit damahliger Gesandschaft nach Isphuan in Persien vom König Carl XI. geschickt wurde, ginge Andreas Kempfer auf die schwedische Universitaet Upsal und docirete daselbst mit erlaubniss der Facultaet va- rias linguas orientales biss ins 3te Jahr, da er nach Hamburg zum be- rühmten Lic. Esra Edzardi ginge, dessen Unterricht ſer) an 5 ganzer Jahr in allen Theilen der orientalischen Wissenschaften genossen. Von hier ginge er instractior auf die Universitaet Leipzig, nachdem er etwa ein Jahr in Kiel und Rostock gelesen, und fandt auch allhier viele Ad- probation. Unter seinen Auditoren war auch Herr M. Augustus Francke, dessen auditor er wieder in asceticis und sein wahrhafter Freund


