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Andreas Kempffers Selbstbiographie / nach der Giessener Handschrift zum erstenmal herausgegeben eingeleitet und erläutert [von Gustav Adolf Ludwig Baur]
Entstehung
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Segensprechen haben. Wir hatten zweyerley Sprachen. Er hatte*) der teutschen Juden Sprach, wie ihre Gelehrten sprechen. Wir, Herr D. May und ich, wie wir sie auf Universiteten nach der Portugisen Art aus- sprechen. Zeigete ihm, wie er das Vornembste aussgelassen. Machte ihn zu einem Galileer, wegen seiner groben Ausssprach:Du bist ein Galileer, denn Deine Sprach verräth Dich³s⁸). Da gab es ein Gelächter. Herr D. May machte seine Sache gut und explicirte allemahl was wir tractirt auff Latein. Er war*-n e. wir die Rabhim oder-* 39). Es war zu be- dauern, dass dieser Meelführer nichts mehr alss den Talmud liebte, darinn suchte er seine Süssigkeit, war mehr ein Jud alss ein Christ, ver- stund kein p= oder Grammatik, hatte keine literalen Rabbinen gelesen, kein Michlal Jophi, welches eine perpetua Analysis ist über die gantze Bibel. Er wuste nicht was ro=n und r war, constructaus et dbsolatkas, und[warl**) desswegen untüchtig auf Universiteten zu dociren, und wolte doch Professor werden. War unglücklich, alss er pro licentia zu Altorff disputiret, da er soll verstummet sein. Endlich ist er zu den Papisten übergegangen, und hat die Wahrheit verleugnet.

Ich hatte mich 11 Jahr lang in Giessen aufgehalten, und mein bestes gethan docendo et disputando. Jedoch war nichts mehr zu hoffen. Man hat mir zwar die proffessionem eloguentiae auffgetragen, war aber unmög- lich mein Hauptstudium zu verlassen. Ich hatte geheirathet, hatte auch 5 Kinder, muste alles wenden auf meinen Unterhalt. Es ging alles nach menschlichen Affecten, ward endlich verdrossen. Meine Frau wurde kränklich. Ich ward auch elend. Herr D. May kam von der Visitation, und liess mich zu sich kommen durch seinen Sohn, fragte mich, ob ich Lust hette diesen Pfarrdienst 4⁰) anzunehmen, welcher were alleweile va- cant worden, worauff ich antwortete, dass ich es alss einen göttlichen Beruff annehme, weil mich die Noth triebe. Es wurde hingeschrieben nach Darmstatt, und war die Resolution bald da. Ich hab alhier einen gesunden Ort, gesund Wasser, gesunde Lufft, auch gute Nahrung ange- troffen, hatte meine Motion von einem Dorff zum andern, dass meine Natur sich veränderte. Ich bin nun 42 Jahr allhier gewesen a-ο κ 5 S, pox clamantis in deserto. Bin auch nicht ohne Trübsal gewesen. Insonder- heit ist man mit bösen Schulmeistern gequelet, sonderlich mit einem Ehe- brecher, Söffer und einem extrem bösen, bösen. Buben, acht gantze Jahr, der mich wie eine höllische Furie angegriffen, es ist erstaunlich anzu-

*) Die Hs. setzt hier noch die ein. **) Fehlt in der Hs.