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Andreas Kempffers Selbstbiographie / nach der Giessener Handschrift zum erstenmal herausgegeben eingeleitet und erläutert [von Gustav Adolf Ludwig Baur]
Entstehung
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auch Patronos, denen meine Treu bekandt war. Doch folgete ich der göttlichen Providentz.

Ich reise mit meinen Büchern und Rabbinen auf Giessen zu, besuchte Herr D. Mayen, der auch ein Auditor und praeceptor domesticus bey dem Edzard gewesen. Er bekam sogleich eine Affection zu mir. Uebergab mir seine Auditores, sagte es were ihm lieb, wann ich ihm zu Hülffe wolte kommen. Er hette die professionem theologiae bekommen, und dabey die Superintendentur, wann ich die Hebraica auff ein Zeitlang wolte annehmen, solte es ihm lieb sein. Ich antwortete, wann sie sich meiner Methode submittiren wolten, solte es mir eine Freude sein. Es war eine grosse Ignorantz in diesem Studio, doch versprach ich, dass sie im halben Jahr so viel lernen solten, dass sie die Genesin verstehen und fertig lesen solten, gab es ihnen schrifftlich und versprach es ehrlich, wozu aber Künste ge- brauchte. Ich hatte 24 Studiosos. Inzwischen machte Herr D. May, dass ich ans Paedagogium kam und daselbst das Hebräische einführte, da machte mich lustig mit der Jugend, und musten von den Untersten biss zum Obersten alle Hebräisch lernen, und solches mit Lusten. Den 15. Febr: 1692 disputirte pro Magisterio- De lastrationibaus et peurificationibes He- braeorum, contra Spencerum und anno 1696 pro aperiendis collegiise De stapendo Eraelitarum per mare rubrum itinere ³²). Es ist eine grosse Blind- heit, dass man von der Grammatica den Anfang machen will, ehe man Materie hab, darauss die Grammatic kann formiret werden, ist eben, alss wann der Schneider ein Kleid machen soll, und hat noch kein Zeug zum Kleide, welches Edzards Gleichniss war. Hingegen, wann man die 4 Ca- pitel ³³) fertig kan, können die Grammaticalia nach und nach gefasset wer- den, wann der Docens selber wohl darinn versiret ist. Dieses gefiel mir nicht, dass man einem jedweden frey gab zu dociren, wodurch die Studiosi von mir abgezogen wurden. Sonderlich war M. Bürklin ³⁴) Stipendiato- rum major und mein Collega*), derselbe suchte sich zu insinuiren bey den Studiosis mit seinem Schmeicheln und Liebkosen, verwarff meine Methode als ein servilisches Wesen, wolte gar höfflich mit ihnen umbgehen, wann er sie mit seiner elenden Grammatic auffhielte; es war nichts alss ein Calumniiren und Verachten. Ich trug solches in grosser Gedult, suchte den Menschen zu gewinnen mit guten Worten; wir weren ja einmahl Collegen, so müsten wir auch collegialiter und christlich leben. Er könte ja die Grammatica tractiren, und mir meine Methode lassen gebrauchen. Wir kommen ja auff eins hinauss, nemblich dass wir die hebräische Bibel

*) Die Hs. hat hier ein zweites war.