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Andreas Kempffers Selbstbiographie / nach der Giessener Handschrift zum erstenmal herausgegeben eingeleitet und erläutert [von Gustav Adolf Ludwig Baur]
Entstehung
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abgefallen. Herr Lic. Rivinus ²⁵) war an Herrn D. Pfeiffers ²⁸) Stelle gekommen zu der Prof. linguae Hebraicae, der erkündigte sich bey mir, wie ich meine Methode führete; ich erzehlte es ihm haarklein. Er appro- birte und wolte mich gern in Leipzig behalten, dass ich sein Handlanger were. Ich gestehe meinen Fehler, ich war flüchtig: desperirte an meiner Beförderung, ward der Zungendrescherey müd, suchte lingauam spiritus sancti zu dociren. Die collegia pictatis wurden verbotten, und hiessen sie verdächtige conventicala. Carpzovius²) fulminirte gewaltig darauf, dem die andern Prediger nachfolgeten. Sie wurden in die Inquisition gezogen, unter welchen ich mit gerechnet wurde.

Nach verflossenem Jahr, war ein Studiosus, von denen, so Herr M. Francke mir zuschickte, der fragte mich, ob ich nicht einen wüste, der Lust hette mit ihm zu ziehen auffs Land. Er hette eine Vocation nach Gedern, unter dem Graffen von Stollberg ²s) bekommen, da were ein Rilial, welches die Fürstinn, seine Gemahlinn, durch ein absonderliches Subjectum wolte versehen lassen, worauff ich antwortete mit Nein. Ich dachte der Sache nach die gantze Nacht, ob nicht Gott hier mit im Spiele sey, der dich von dem Getümmel dieser Welt und von der Zungendrescherey auff eine Zeit abziehen wil und einige Ruhe schaffen. Der Candidatus, Herr Zühl, kam des andern Tages wieder und nahm Abschied. Ich sagte ihm meines Hertzens Gedanken, wie ich Lust hette, mich eine Zeitlang zu re- colligiren und im Predigen zu üben. Der verwunderte sich, dass ich mich alsso herunter lassen wolte, da ich doch meinen Applausum hette. Des folgenden Tages setzen wir uns auf die Landkutsche und reiseten zu auff den Vogelsberg nach Gedern. Ich predigte auch da, der Herr Graff mogte mich gerne hören und wolte mich auch befördern, mit diesen Worten: Den Menschen will ich befördern wo ich kan. Ein halb Jahr hatte mich auff dem Filial zu Völkershayn ²³⁹) geübet. Der Herr Pfarrer Zühl hatte einen Schwager zu Nidda, welches nicht weit davon war, den besuchte ich, der war Pfarrer daselbst, welchen eben zu der Zeit sein Bruder M. Runckels) besucht, der war Praeceptor classicus am Paedagogio zu Giessen, ein gelehrter Mann, der auch nach seiner Art ein Liebhaber war der hebräs- schen Sprache. Wie ich ihm erzehlete vom Kimchi, Aben Esra, Raschi etc. wurden wir bald mit einander bekandt.Herr, sprach er, hat er dann nicht Lust hier im Lande zu bleiben? Ich antwortete:Wo mich Gott hinführet. Er erzehlte, es were eine Stelle offen am Paeds agogio zu Giessen³¹), das were ein gymnasium illustre, wann ich dahin Lusten hette, könte ich die Stelle besitzen. Herr Professor May were Paedagogiarche, und sein guter Freund. Mir lag sonsten das liebe Hamburg im Sinn, da hatte ich