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Andreas Kempffers Selbstbiographie / nach der Giessener Handschrift zum erstenmal herausgegeben eingeleitet und erläutert [von Gustav Adolf Ludwig Baur]
Entstehung
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leichtlich wissen konte auss der Pronunciation, worüber er zornig ward. Ich besänfftigte ihn aber bald, er solte nur betrachten die grosse Lust, die wir hetten.(Es war noch einer bey mir, Herr M. Starcke ¹s).Was. Raschi, sagte er,wollet ihr rasen? Ich finde aber viel Gutes in dem- selben, sonderlich in dem Pentateucho.

Mein ältester Bruder, Doctor juris, docirte jura in Leiden, der schrieb mir, wenn ich Luste hätte nach Leiden zu ihm zu kommen, so wolt er mir Auditores genug verschaffen. Es were da gar schlecht bestellet, sie hetten einen Docentem, der hiesse Schaff, aber re vera ein Schaff ¹⁹). Ich erzehlte solches dem Herrn Lic. Edzard, der riete, ich solte nur in Gottes Nahm hinziehen, er wolte mir eine Recommendation mitgeben. Es schiene, er wolte meiner gern loss werden. Es ist war, ich hette daselbst von den reichen Holländern können Geld verdienen, sed quid postea? Er Bdzard ²⁰) vermahnete mich treulich, ich solte mich von den Calvinisten nicht verführen lassen, sonderlich mit ihrem absolauto decreto. Er meinte, es were nun alles richtig. Ich kriegte aber andere Gedanken. Ich sahe, dass meine Absicht nichtig war. Ich wolte Geld verdienen, darzu hatte ich das Hebräische nicht gelernt, sondern ich wollte der Welt damit die- nen. Ich setze mich auff die Post und gehe auff Leipzig ²¹), in der Hoffnung, ich wol genug zu arbeiten finden, vielleicht auch bei dem Christiani ²²), converso Judaeo, noch etwas zu profitiren. Ich komme dahin. Die Hamburger kenneten mich, deren viel waren, und hielten bei mir Collegia. Sie botten mir ihre Stuben an. In kurtzer Zeit hatte ich einen Applausum. Sie meinten zwar anfänglich, ich würde nicht reüssiren, die Edzardianer hetten einen schlechten Ruhm, weil sie keine Grammati- ralia verstünden, da hingegen die Magistri nostri gründlich docirten. Ich liesse es darauff ankommen, wir wolten sehen, wer die beste Methode hette. Ich wurde bekandt mit Herrn M. Francke ²³), der schickte mir seine Auditores zu: ich hatte den gantzen Tag zu arbeiten. In einem Collegio hatte ich 6 Magistros, unter denen war Herr M. Michaelis ²⁴), der nach der Zeit sich in Halle recht tapffer erzeiget. Ich bediente mich des gelehrten Christiani, Conversi Judaei, der in Talmudicis der beste war, den ich jemals gesehen hab. Es war zu bedauern, dass er in diesem Studio nicht weiter gebraucht wurde. Man mochte ihm dahia Vortragen, wie man wolte, so konte er Satisfaction thun. Hatte eine gute Ausssprach, man konte in diesem Studio bey ihm am allerbesten profitiren. Er zog wieder in Polen, nachdem er bey den Christen nicht avanciren konte. Er hatte 28 Jahr unter den Christen gelebet. Er hat sich beklaget, dass ihn der Mangel getrieben, unter die Juden zu gehen, doch were er nicht

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