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Andreas Kempffers Selbstbiographie / nach der Giessener Handschrift zum erstenmal herausgegeben eingeleitet und erläutert [von Gustav Adolf Ludwig Baur]
Entstehung
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behrlichsten grammatischen Regeln sich beschränkte, die er an die sofort vorgenommene Lectüre leichter Textstücke, wozu ihm die 4 ersten Capitel der Genesis dienten, anknüpfte, damit durch das von dem Schüler so ge- wonnene sprachliche Material die abstracte Regel belebt werde und mit der fortschreitenden Aneignung des Stoffes auch das Verständniss der grammatischen Formen und Gesetze allmählich wachse. Man sieht, es ist der Sache nach dasselbe, was im Anfange des Jahrhunderts schon Wolf- gang Ratke(Ratichius, 1635) und Amos Comenius( 1670) in Be- zug auf den Unterricht hauptsächlich im Lateinischen gefordert hatten; und es wäre wohl möglich, dass zwischen ihren methodischen Grundsätzen und denen Edzards auch ein äusserer Zusammenhang bestanden hätte. Ratkes Didaktik hatte der Giessener Professor Christoph Helwig(Helvicus, 1617) gebilligt und auf das Hebräische angewandt. In seinen nach sei- nem Tode erst erschienenen Libri didactici(1619) ist nicht allein eine Darlegung seiner methodischen Grundsätze, sondern auch eine nach diesen verfasste hebräische Grammatik enthalten. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass ein Mann, an welchen Buxtorf schreiben konnte:Si tibi adessem, Helvice, lingerem palverem pedum tuorum', auch Edzard nicht unbekannt geblieben ist. Durch Edzards Schüler Kempffer wäre dann im letzten Jahr- zehnt des Jahrhunderts dieselbe Methode wieder nach Giessen verpflanzt worden, welche bereits im zweiten von Helwig dort gepflegt worden war.

Wie oben angodeutet vorden ist, stand der neuerwachte Eifer für das Studium der Heiligen Schrift mit dem gleichzeitig sich regenden Ver- langen und Trachten nach der Herstellung eines lebendigen, thatkräftigen Christenthums in einem inneren Zusammenhange, wie denn auch Edzard nicht allein wegen seiner biblischen und rabbinischen Gelehrsamkeit, son- dern nicht minder wegen der treuen, umsichtigen und ausserordentlich erfolgreichen Hingebung hochberühmt war, mit welcher er der Belehrung, Bekehrung und seelsorgerlichen Pflege der Juden sich widmete. Auch Kempffer blieb von dem durch die Zeit hingehenden Zuge nach einem praktischen Christenthume, welcher gegen Ende des Jahrhunderts in Spe- ner und Francke seine kräftigste, jedoch immer von christlicher Besonnen- heit geleitete, Vertretung fand, nicht ganz unberührt. Wie so manchen in jener Zeit hören wir auch ihn bekennen, dass er der unfruchtbaren theologischenZungendrescherei und derakademischen Aemulation müde sei. Er gedenkt der Verbindung, in welche er in Leipzig mit Francke getreten ist. Er verliert die Freude an seinem dortigen Aufenthalt, als die collegia pictatis verboten werden, und sucht zuerst bei dem Grafen Stolberg zu Gedern ein Unterkommen, bei einem der von der pietistischen