zurückzukehren, um aus ihr für das eigene Gemüth Trost, wie für die Gebrechen des kirchlichen Lebens die rechte Heilung und für die Erfül- lung seiner Aufgaben zuverlässige Belehrung und Stärkung zu schöpfen, hatte schon seit dem Anfange des Jahrhunderts und während des Jammers des dreissigjährigen Krieges einzelne kräftige und wirksame Vertreter ge- funden. Allgemeiner und entschiedener trat es hervor, als es nach dem endlich gewonnenen Frieden galt, der ungeheueren äusseren und inneren Noth zu steuern, welche der Krieg zurückgelassen hatte. Mit einem neuen Eifer wandte man sich dem biblischen Grundtexte zu, und zwar ganz besonders dem Alten Testament, weil dieses durch die grösseren, namentlich sprachlichen, Schwierigkeiten des Verständnisses auch die An- strengung in höherem Masse herausforderte. Es ist doch denkwürdig, dass, während vorher auf deutschem Boden nur eine einzige Ausgabe der hebräischen Bibel erschienen war, die von Elias Hutter(Hamburg. 1587; die Ausgaben von 1588, 1596 und 1603 haben nur neue Titel), allein zu Lebzeiten Kempffers von der ersten Clodius'schen Ausgabe an(Frank- furt a. M. 1677) bis zur dritten Reineccius'schen(Leipzig. 1739) 12 Aus- gaben des A. T. im Grundtext in Deutschland veröffentlicht worden sind. Bevor nun Albert Schultens(† 1750) durch Herbeiziehung der so ausgiebigen Hilfe des Arabischen und durch die elegantere Form der holländischen Philologie eine freiere Bewegung in die Behandlung des Alten Testamentes gebracht hatte, sah sich, wer dessen Verständniss suchte, auf die Ueberlieferung der alten jüdischen Grammatiker und Commenta- toren angewiesen, von deren Erklärungen der grosse Buxtorf(† 1629) einen guten Theil durch seine rabbinische Bibel(Basel. 1618. 19) zum Gemeingut gemacht, und deren Benutzung er durch zahlreiche Schriften erleichtert hatte. Natürlich finden wir auch unsern Kempffer auf diesem Wege. Während aber viele deutsche Hebraisten ihre Befriedigung darin fanden, in die spitzfindigen Specialitäten der hebräischen Vocalisation und Accentuation sich zu versenken und auch ihre Schüler vor allem in diese Geheimnisse einführen zu müssen glaubten, fehlte es nicht an anderen, welche sich nicht verhehlten, dass auf diesem Wege den Anfängern der Fortschritt sehr erschwert, wenn nicht die Freude am Studium des Alten Testamentes überhaupt von vornherein genommen werden müsse. Ihr hoch- angesehener, eigentlich tonangebender Führer war der berühmte Edzard in Hamburg, zu dessen Füssen auch Kempffer, wie so viele Andere, mit begeistertem Eifer Belehrung gesucht hat. Die von ihm geübte und em- pfohlene Methode bestand im Wesentlichen darin, dass er, ohne der gram- matischen Gründlichkeit zu nahe zu treten, im Anfange auf die allerunent-
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