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scharfer und sorgfältiger Beobachtung, wie klarer und zuverlässiger Bericht- erstattung. Auch zur Goetheforschung hat er insofern einen Beitrag geliefert, als wohl durch ihn zuerst deom Abendlande der japanische Baum Gingo biloba mit seiner eigenthümlichen Blattform bekannt geworden ist, deren Symbolik der Hatem des Westöstlichen Divan seiner Suleika so sinnig gedeutet hat(Beschreibung u. Abbildung: Amoenitates exoticae, p. 812).
Verglichen mit dem vielgereisten Bruder, erscheint unser Andreas freilich als ein stiller Stubengelehrter. Aber vom Standpunkte unserer gegenwärtigen Gewohnheiten und Anschauungen aus mag es uns Wunder nehmen, dass der ruhigem Bücherstudium ergebene Mann gleichwohl so mannigfaltige und weitführende Kreuz- und Querzüge unternahm, deren Stationen zu kürzerem oder längerem Aufenthalt Jena, Stockholm und Upsala, Hamburg, Leipzig, Gedern und Giessen bilden, bis er endlich für die zweite Hälfte seines langen Lebens in die Ruhe eines hessischen Dörf- chens am Nordabhange des Vogelsberges einläuft. Man würde irren, wenn man etwa meinte, er sei nur von der Wanderlust des Bruders angesteckt gewesen. Vielmehr wird gerade durch das, was er über seine akademi- schen Wanderungen erzählt, nur eine dem akademischen Leben des 17. Jahrhunderts überhaupt eigenthümliche Sitte bestätigt(vgl. die Mit- theilungen und Nachweisungen, welche Tholuck, Das akademische Leben des 17. Jahrhunderts. Halle. 1853 u. 54, I, S. 305 ff., unter der Auf- schrift„Die akademische Seise“ gibt). Man verlangte damals von einem jungen Gelehrten und insbesondere auch von einem jungen Theologen, dass er von sich sollte sagen können:„Was ich nicht erlernt habe, das habe ich erwandert.“ Während der eigentlichen akademischen Lehrzeit galt es, verschiedene Universitäten zu besuchen und von den Vorlesungen und der persönlichen Förderung berühmter Professoren möglichst zu profitieren. War dann der Magistergrad erlangt, so folgte womöglich eine wissenschaft- liche Reise, auf welcher man in freierer Weise benutzte, was die bedeu- tendsten Pflanzstätten der Wissenschaft darboten, und welche auch über die Grenzen Deutschlands hinausführte, zunächst nach Holland und nach Schweden, welches durch die im westphälischen Frieden auf deutschem Boden gewonnenen Besitzungen den deutschen Gelehrten näher gerückt war, weiter nach England und Frankreich, auch wohl nach Italien, wo namentlich Padua das ganze Jahrhundert hindurch für deutsche Mathema- tiker, Physiker und Mediciner ein ersehntes Ziel blieb. Man fragt billig, wie es trotz der grossen Schwierigkeiten und Unbequemlichkeiten des da- maligen Verkehrs möglich war, dass solche Reisen nicht etwa nur einen Luxus bildeten, welchen der Reichere sich gestatten durfte, sondern dass


