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Andreas Kempffers Selbstbiographie / nach der Giessener Handschrift zum erstenmal herausgegeben eingeleitet und erläutert [von Gustav Adolf Ludwig Baur]
Entstehung
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als in scrihendo bestanden. Eben darum aber gewährt die schlichte, auf- richtig und lebendig ins Einzelne eingehende Darstellung seines Lebens, Lernens und Lehrens, welche er hinterlassen hat, ein eigenthümliches Inter- esse. Betrachtet man sie in Beziehung auf die damaligen Zeit- und ins- besondere Universitätsverhältnisse, so wirft sie auf diese manches auf- klärende Licht, wie sie andererseits aus ihnen eine das Einzelne in seinem Zusammenhange mit dem Ganzen erkennbar machende und es dadurch erst recht belebende Beleuchtung empfängt.

Ein lebhaftes und energisches wissenschaftliches Interesse lag schon in Kempffers Familie. Wie aus der Selbstbiographie und aus den gleich unten näher zu erwähnenden Notizen bei Dohm hervorgeht, hat sein ältester Bruder, Joachim, in Leyden die Rechte studiert und, nach- dem er in Jena um 1677 den Doctorgrad erworben, sich wieder in Leyden dauernd niedergelassen. Indessen scheint auch er schriftstellerisch sich nicht hervorgethan zu haben, wenigstens sind mir weitere Nachrichten über ihn nicht begegnet. Dagegen hat der zweite Bruder, Engelbert, sich einen wohlverdienten literarischen Ruhm erworben. Am 16. Septem- ber 1651 zu Lemgo geboren, empfing er seine wissenschaftliche Vorbildung auf den Gymnasien zu Hameln, Lüneburg, Hamburg und namentlich Lübeck, setzte 1672 seine Studien auf dem Gymnasium illustre zu Danzig fort und begab sich von da über Thorn nach Krakau, wo er seit 1674 zwei Jahre eifrig Philosophie studierte und auch die Magisterwürde erwarb. Von 1677 an hat er sich dann in Königsberg vier Jahre lang vorzugsweise dem Studium der Naturwissenschaften und der Medicin gewidmet, und nachdem er im October 1680 durch eine Reise in die Heimath nach Lemgo sich nur eine kurze Unterbrechung seiner Studien gestattet hatte, wandte er sich im Juli 1681 nach Upsala. Seiner hervorragenden persön- lichen und wissenschaftlichen Tüchtigkeit hatte er es zu verdanken, dass er als Legationssecretär jener Gesandtschaft beigegeben wurde, welche Karl XI. zur Anknüpfung von Handelsverbindungen an den russischen Hof zu Moskau und an den persischen zu Ispahan abordnete, und welche am 20. März 1683 von Stockholm aus ihre Reise antrat. Nachdem sie drei Jahre später ihr Ziel und ihren Hauptzweck erreicht hatte, löste Kempffer seine Verbindung mit ihr und trat, um seinen Reise- und Wissenstrieb zu befriedigen, in die bescheidene Stellung eines Schiffschirurgen bei der Holländischen Compagnie ein, bereiste in dieser Eigenschaft Arabien, Per- sien, Sumatra und Java, von wo aus er im Mai 1690 eine holländische Gesandtschaft über Siam nach Japan als Arzt begleitete. Am 31. Octo-

ber 1692 verliess er Japan, kam Ende Januars 1693 in Batavia, Anfang