Druckschrift 
Festspiel für die Begrüßungskneipe des 50-jährigen Stiftungsfestes des Gießener Wingolf, 5. August 1902 / von Theodor Wahl
(Gi. 80-83)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

14

III. Scene.

[Red. Stifter Fux ſpäter Andre.

Stifter(ganz weißes Haar, altmodiſch, altes Kneipcerevis auf breitet die Arme aus ſpricht begeiſtert; er tritt mit dem Fux von der dem Red. abgewandten Seite ein).

So nimm uns auf, du freundlich lieber Raum,

Den heut zum erſtenmal die alten Augen ſehen. Fr

Wie grüß' ich würdig dichd Ich faſſ' es kaum,

Es geht mir durchs Gemüt wie Frühlingswehen!

Vergangne Zeiten werden wieder jung,

Im trauten Heime unſrer Wingolfsſöhne

Steigt mir, verklärt von der Erinnerung,

Die Jugend auf in zauberiſcher Schöne!

(Sieht die Bilder der Stifter im grünen Feſtſchmuck.)

Da ſeid ihr ja, ihr alten lieben Knaben,

Und jedes Bild von friſchem Grün umrankt!

's iſt ſchön, daß ſie uns nicht vergeſſen haben

Euch Jungen ſei die Pietät gedankt.

Da ſind ſie alle meiſt vereint ſchon dorten,

Wo ſich in's Schau'n ihr Glaube längſt verklärt;

Doch heut iſt ihr Gedächtnis friſch geworden,

Weil ihrer Taten Frucht ſie ſelber ehrt!

(Schüttelt dem Fuchs die Hände.) R.

O, Fux, du hätteſt ſie erleben ſollen

Die Zeiten damals, groß und wunderbar!

Wie da in Herzen, in begeiſtrungsvollen,

Der Wingolfsgeiſt auf einmal mächtig war!

Wir gingen anfangs nur ans Werk mit Zagen

Hu kühn ſchien der Entſchluß, zu hoffnungslos

Doch hoch und höher wurden wir getragen,

Und mit der Tat ward jeder ſelber groß.

Ja wie ſie damals kamen heim von Halle,

Wo ſie des Geiſtes friſchen hauch verſpürt

Ich ſag' dir, Fux, da war es für uns alle Gewiß, daß uns ein höhrer Wille führt.

2