Eröffnungsrede des Präsiclenten, Prof. Dr. B. Stade. XXXVII
Schliesslich aber hatte schon Christoph Helwig(Helvicus gest. 1617) der langjührige Mitarbeiter und Gesinnungsgenosse und spätere Feind Ratkes(Ratichius) nach der Didaktik dieses hebräische Grammatik vorgetragen, und eine andere Methode als die Ratkes hat auch Edzard nicht besessen. Durch May könnte als nach Giessen, wenn wir den Unterricht im Hebräischen ansehn, nur ge- kommen sein, was es längst besass. Als Männer der Wissenschaft waren Helwig und Clodius dem Pietisten May zum mindesten ebenbürtig ¹).
May ist bis zu seinem am 3. Sept. 1719 erfolgten Tode unserer Hochschule treu geblieben, trotzdem er als einer der gelehrtesten Vertreter des immer mehr zur Herrschaft kommenden Pietismus vielfach Gelegenheit hatte, in andere Stellungen überzugehn. Rufe nach Ostfriesland als Generalsuperintendent, nach Berlin als Probst, nach Kiel als Prof. theol. prim. und Prokanzler hat er abgeschlagen. Trotz der zahlreichen Arbeit, welche seine vielen Aemter mit sich brachten, ist er emsig schriftstellerisch thätig gewesen. Doch
wandte sich seine schriftstellerische Thätigkeit naturgemäss immer mehr theologischen Aufgaben zu.
May’s theologische Schriften zu würdigen ist hier nicht der Ort. Unsere Interessen berühren die Dissertationes sacrae Giessae
1690 und die Exercitationes Philologicae et exegeticae. Giessae 1711. Ferner ist zu erwühnen seine Brevis Institutio linguae Hebraicae ad Schickardi atque Wasmuthi grammaticas praecipue accomodata ²) und die gleichartige Brevis institutio linguae Chaldaicae, Hebraicae antehac editae harmonica. Frankfurt 1695. Nach dem Muster dieser beiden Grammatiken haben Schüler May'’s solche der verwandten Sprachen ausgearbeitet, Bürcklin eine syrische(Frankfurt a M. 1696) und samaritanische(Frankfurt 1697), Joh. Balth. Schoenemann eine
die Professio linguarum Orientalium erhalten und das für beide ausgesetzte Salarium geniessen solle Ein landgräfliches Rescript von 29. July entscheidet demgemäss. Zur Ehre von Joh. Heinrich May sei bemerkt, dass sein Sohn es als Hebraist sehr wohl mit den Bürcklin und Kempfer aufnehmen konnte May jun. hat bis zu seinem am 13. Juni 1732 erfolgten Tode an unserer Uni versität eine rege literarische Thätigkeit entfaltet und sich ausserdem um die selbe durch das Vermächtniss seiner Bibliothek verdient gemacht Ueber
Georg Christian Bürcklin, vgl. die Ausführungen G. Baur's a. a. 0
1) Es muss das hervorgehoben werden, weil es üblich geworden ist bei Darstellung dieser Zeiten die Lichter zu stark zu Gunsten der Pietisten auf- zusetzen. Noch mehr als von Tholuck, der dazu in den Quellenauszügen dem
Leser die Mittel zu einer Correctur der im Texte vorgetragenen Urtheile gibt,
gilt dies von Hesse, F. A., das erste Jahrhundert der theologischen Facultät in Giessen Giessen 1858 Das Urtheil über die ältere Giessener Orthodoxie hat unter der Ungunst gelitten, welche unterliegende Parteien zu treffen pflegt Bei genauerer Beschäftigung mit den Quellen gewinnen ihre Träger als Menschen wie als Gelehrte.
2) Unsere Bibliothek besitzt die drittoe(1696) und fünfte(1715) Auflage von May’s hebräischer Grammatik Beide sind von Bürcklin besorgt


