Pröffnungsrede des Präsidenten, Prof. Dr. B. Stade. XXXIII
Wittenberg, Helmstädt und Strassburg. In Leipzig trieb er Hebräisch bei Joh Benedict Carpzow, in Wittenberg trat er in freundliche Beziehungen zu Calov, dessen Sohn er in den orientalischen Sprachen unterrichtete. Die Nachwirkungen des Unterrichtes Edzards erkennen wir, wenn er in Wittenberg unter Calovs Praesidium„über die Wahrheit der christlichen Religion gegen die Juden“ disputirt. Von Wittenberg aus besucht May die Rivalin Wittenbergs, die Univer- sitit Helmstädt, doch scheint er sich hier nur auf der Durchreise nach Hause aufgehalten zu haben.
Nur kurze Zeit verweilt May zu Hause, bald bricht er nach Strassburg auf, wo er in nähere Beziehung zu Balthasar Bebel, namentlich aber zu dem vortrefflichen a. t. Exegeten Sebastian Schmid tritt, dessen Einfluss die Schriften May’s deutlich zeigen. Eine schwere Krankheit zwingt May Strassburg zu verlassen, und Heilung im würtembergischen Wildbad zu suchen. Hier scheint es nun gewesen zu sein, wo er Beziehungen zu der interessantesten Gestalt unter den deutschen Orientalisten des 17. Jahrhunderts gewonnen hat, zu dem Thüringer Hiob Ludolf oder Leutholf. Dieser, durch seine diplomatischen Arbeiten an der Drucklegung seiner Historia aethiopica gehindert, suchte gerade nach einem jungen Manne, welcher ihm hierbei zur Hand gehen könnte. Ludolf be- merkt darüber in der Vorrede dieses epochemachenden Werkes: „Sed ad editionem operis multa rursus desiderabantur; doctus et idoneus amanuensis, qui illud typothetis describeret et impressioni operis invigilaret; id enim negotia mea mihimet non permitte- pant: deinde characteres peregiunl, ad hoc opus necessarii, non dabantur. Verum et haec impedimenta sensim sublata fuerunt. GCommendatus mihi fuit vir juvenis, eruditione et probitate praestans Johannes Henricus Majus S. S. theologiae et linguarum orientalium studiosus; qui, quoniam Hebraicae linguae et, Rabbinorum dialecti peritissimus erat, nullo negotio apud me KAethiopicam addidicit, ut labori destinato brevi par fieret. IIle ergo, me dirigente, breviario capitum(summaria vocant), commala sive sectiones, Indices, Latinum et Aethiopicum, et similia fecit. Operas juvit et ursit: correctionem totius operis in se recepit; ut propterea illum omnibus bonis merito commendare possim. Edidit etiam ex opere meo, anteduam perfi- ceretur, Institutiones Catecheticas Habessinorum L. III c. 5 n. 89, sed me absente, et ingenii sui sponte, ut Aethiopismi studiosi ma- teriam exercitii haberent, simulque profectus ejus in Aethiopicis viderent.“ Den guten Eindruck, welchen May in Strassburg gemacht hatte, erkennen wir daran, dass er einen Ruf an diese Universität erhielt. Es ist um so bemerkenswerther, als May den Magistergrad nicht besass und auch nie erworben hat. Jedoch scheiterte schliess- lich diese Sache, wohl zum Glücke Mays, denn die einst berühmte Hochschule dieser vom Reiche verlassenen und von Frankreich eben vergewaltigten deutschen evangelischen Stadt begann wesentlich infolge dieser Schicksale ihren alten Glanz zu verlieren. Doch sollte


