Druckschrift 
Generalversammlung zu Giessen : Eröffnungsrede / gehalten von dem Präsidenten der orientalischen Section der XXXVIII. Philologenversammlung Prof. Dr. B. Stade am 30. Sept 1885
Entstehung
Einzelbild herunterladen

XXXII Generalversammlung zu Giessen.

stetigen Eindruck macht, hat er eine grosse Anzahl Universitäten besucht. Zunächst wandte er sich nach Wittenberg. In welchem Jahre erfahren wir nicht; da wir aber hören, dass sein infolge der kriegerischen Unruhen von Geld entblösster Vater ihm nur einen Thaler auf die Wanderschaft habe mitgehen können, so ist zu ver- muthen, dass es 1675 geschehen ist, in welchem Jahre die Fran- zosen das Land am Mittelrhein und Neckar verwüsteten. May würde also in sehr reifem Alter die Universität bezogen haben. Von Wittenberg aus macht sich May auf den Weg, um nach Schweden ¹) zu gelangen. Auf dieser Reise macht er Station in Hamburg, und dieser Aufenthalt wird für sein ganzes Leben ent- scheidend, denn er wird hier mit demjenigen Manne bekannt, welcher, wiewohl als Privatmann lebend, mehr als jeder andere zu jener Zeit die hebräischen Studien, insonderheit die grammatischen gefördert hat, mit Esdra Edzard. Wie so mancher andere Theo- loge ist May als Hauslehrer der Söhne Edzards und zugleich als Schüler des Vaters in dieses gastliche hamburger Haus aufgenommen worden, Ueber 2 Jahre hat May nach der Dedication zur Vita Reuchlini ²) in Edzards Hause verlebt. Nach Schupart ist dieser Aufenthalt bei Edzard unterbrochen worden durch eine über Lübeck nach Kopenhagen unternommene Reise. Dort hörte May während eines Winters theologische Vorlesungen, aber zufolge seiner Dürftigkeit und eines harten Winters erkrankte er schwer an Frostschäden. Von Edzard, welchen er als einen zweiten Esra feiert, rühmt May in der genannten Dedication: neque auctor solum, sed dux etiam ad ingrediendam illius studii rationem mihi exstitisti, qui velut in ignota silva antea oberraveram, ignotus quam insisterem viam. Tum et praeter omnem spem ac cogitationem meam, me in tuas recipisti aedes, dignumque adeo judicasti, quem filiorum tuorum, tunc optimae spei adolescentium, nunc paternae eruditionis aemu- lorum juvenum studiis moderandis praeficeres. Atque ita accidit, ut, postquam te et praeceptorem fidelissimum, et hospitem benig- nissimum, ultra biennium essem expertus, tantum, divina adjuvante gratia, apud te profecerim, ut te auctore in aliquot deinceps Ger- maniae Academiis litteras, quas Oriens colit, docere aggrederer).

Diese Universitäten, auf welchen er nach der Sitte der da- maligen Zeit zugleich lernend und lehrend verweilte, waren Leipzig,

1) Nach Schweden zieht auch Andreas Kempfer als Student

2) Sie ist Edzard und dem Professor der hebräischen Sprache am Gym-

nasium zu Hamburg Eberhard Anckelmann gewidmet, welcher gleichfalls ein Schüler Edzard's war

3) Vgl auch Oratio de Vita Joh. Reuchlini S. 57: Fateor enim unius Reuchlini exemplo, in quod intueri me, quodque imitari jussit Vir et pietate et eruditione excellens, ac alter quasi Reuchlinus, Esdras Edzardus, hospes quondam meus et Praeceptor ultra biennium fidelissimus, ita excitatum me esse, ut quicquid Orientalium linguarum didici, huic uni acceptum feram, certe debeam ferre.