Eröffnungsrede des Präsidenten, Pyof. Dr. B. Stacde. XXXI
gegebene, wird nicht erwähnt, vielleicht weil sie so bekannt ist, dass der Verfasser bei jedem Leser ihre Kenntniss voraussetzt. Die wich- tigsten Schriften Mays, die primären Quellen über seine Entwickelung, werden nicht genannt. Zum Schlusse werden wir zwar auf einige secundäre Quellen verwiesen, aber weder die Notizen Neubauers im hessischen Hebopfer ¹), noch Joh. Gottfried Schupart's Gedächtniss- rede auf May ²) werden erwähnt. Vermuthlich hat der Verfasser des Artikels es dem Leser der Biographie ersparen wollen, die Bekanntschaft dieser in gräulich bombastischem Latein geschriebenen, und auf pathetischem, wohl aus Phrasensammlungen zusammen- geschusterten, Kothurn einherschreitenden Arbeit zu machen. Jeden- falls aber findet der Leser weit mehr und Wichtigeres als in diesem Artikel der Biographie über May, wenn er Jöchers„Lexi- kon“ oder Grässe's Lehrbuch einer allgemeinen Literärgeschichte aufschlägt ³), oder auch Gustav Baur's Ausgabe der Selbstbiographie des Giessener Docenten und späteren Pfarrers Andreas Kempfer ⁴) zu Rathe zieht.
Joh. Heinrich May ist am 5. Febr. 1653 zu Pforzheim als Sohn des evangelischen Pfarrers Joh. Georg May geboren worden. Sein Entwickelungsgang zeigt die typischen Züge der gelehrten Erziehung der Zeit nach dem 30 jährigen Kriege. 11 Jahre alt wurde er zugleich mit seinem älteren Bruder, dem spätern Kieler Historiker Joh. Burkhard May, welcher ihn überlebt hat, dem Gymnasium zu Durlach übergeben. Wie es damals ja vielfach Mode war, so hat auch dieses nach Umfang und Methode der Studien eine Universität im Kleinen nachzubilden versucht. Begreiflich, da so manches Gymnasium sich zu einer Universität entwickelt hatte. Wird doch berichtet, dass May daselbst eine Dissertation„de concursu dei“ vertheidigt habe. Nachdem er diese Anstalt absolvirt hatte, begab er sich auf Universitäten. Nach damaliger akademischer Sitte, mit welcher verglichen auch das Studium eines modernen, von Universität zu Universität fahrenden jungen deutschen Juristen einen ruhigen und
1) Neubauer, P. F., kurzes Verzeichniss aller Professorum Theologiae,
so auf der Universität Giessen gelebet und gelehret haben, aufgesetzt von, in „Hessisches Heb-Opfer Theologischer und Philologischer Anmerckungen“, Stück 5, S. 502 f., Stück 10, S. 1129 f., Stück 14, S. 352 fl.
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2) 2 PX sive monumentum Sionis seculi nostri honoribus ultimis
venerandae memoriae et doctrinae viri Joh. Henr. Maji, S. S Theol. Doct. et Prof., Dioeceseos Marburgensis et Alsfeldensis Superintend., consistorii prin-
cipalis adsessoris, stipendiatorum Ephori et Paedagogiarchae, oratione sollenni in academia Ludoviciana III. Non. Sept. Anni 1722 positum conditum et collo- catum ab Joh. Gottofr. Schupart, S.S. Theol, in eadem Academ. Prof., consistorii eccles. adsessore atque territorii Alsfeldensis superintendente, Giessae, typis viduae B. Vulpii, Acad. typogr. 1723
3) 3. Bd. 2. Abth. Leipzig 1853, S. 886. 3. Abth. 2. Hälfte, Leipzig 1858, S. 870.
4) Im Leipziger Reformationsprogramm vV. Jahre 1880


