Druckschrift 
Ruhland contra Biermer / herausgegeben vom Bund der Landwirte
Entstehung
Einzelbild herunterladen

-

9

abweichende Anſichten und gibt ſpezifiſche Vorſchläge, deren Erörterung hier im einzelnen nicht möglich iſt. Ueber den Schutzzoll faßt er ſeine einzelnen Darlegungen imLeit⸗ faden(Seite 27) ſchließlich in die Sätze zuſammen:

Der Schutzzoll iſt eine rein praktiſche Maßregel von vorübergehender Bedeutung. Die Frage: ob Schutzzoll eingeführt werden ſoll oder nicht? iſt zu vergleichen mit der Frage: ob bei einem Patienten die Fenſter zu oder offen gehalten werden ſollen? Je nach der Witterung oder der Tageszeit wird ſich die Frage ſo oder anders entſcheiden. Aber damit iſt die Krankheit des Patienten natürlich noch nicht geheilt.

In dieſem Sinne, alſo vollkommen dieſer wiſſen⸗ ſchaftlichen Grundauffaſſung getreu, hat Ruhland ſowohl in den zehn Jahren vor, als auch in den fünfzehn Jahren nach ſeinem Eintritt in den Bund der Landwirte die praktiſche Tagesfrage:ob die Fenſter(mehr oder weniger) offen gehalten werden ſollen graduell verſchieden beantwortet, je nach derTageszeit und demWetter, nämlich: Je nachdem, ob die durch das kapitaliſtiſche Problem bewirkte Konkurrenz⸗ flutwelle in beſonders bedrohlichem Maße anſchwoll oder nicht. Er hat in den achtziger Jahren denEin⸗Mark⸗ und denDrei⸗Markzoll für bedeutungslos erklärt; hat dann 1890, als er von der zweijährigen Studienreiſe aus den Ge⸗ treidekonkurrenzländern heimkehrte, die unbedingte Aufrecht⸗ erhaltung des Fünf⸗Mark⸗Zolles dringlichſt vertreten und ſchließlich(als die Caprivi⸗Verträge doch geſchloſſen worden waren) 1895(nachdem der Weizenpreis in Berlin bis auf 120 Mark gefallen war!) an der im Bunde der Landwirte ausgearbeiteten beſonderen Ausgeſtaltung desAntrags Kanitz eingehend mitgewirkt und den ſo geſtalteten Antrag öffentlich energiſch vertreten.

Aus den geſamten, vorſtehend unter 1 bis 5 entwickelten Grundlagen Ruhlandſcher Agrarpolitik hatte nun Profeſſor Biermer in ſeiner Broſchüre die oben dargelegten Funda⸗ mentalſätze 1 bis 4 gänzlich ignoriert und lediglich mit dem fünften Punkt derart operiert, daß er(aus den über einen Zeitraum von 15 Jahren verſtreuten Einzelſchriften Ruhlands, in denen Ruhland das Fenſter bald mehr bald weniger offen gehalten wiſſen wollte), je