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Ruhland contra Biermer / herausgegeben vom Bund der Landwirte
Entstehung
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fallen iſtjetzt im Konkursausverkauf dem heſſiſchen Staate als Ordinarius 50 Prozent unter dem Selbſtkoſten⸗ preiſe offeriert.

In einem beſonderen Artikel werden wir dieGut achten, auf die dieſes Gerichtsurteil ſich ſtützt, erörtern, und die von dieſenGutachtern und vom Schöffengericht aus dem Eintritt Ruhlands in den Bund der Landwirte gezogenen Schlüſſe an Hand der uns von zuſtändiger Stelle übergebenen aktenmäßigen Be⸗ lege über den Eintritt und über die Tätigkeit Ruh⸗ lands im Bunde beleuchten.

II.

Um die dem Schöffengerichtsurteil zugrunde liegenden Gutachten der Profeſſoren Brentano, Conrad und Lexis zu beurteilen, muß man die Grundzüge in Ruh⸗ lands wiſſenſchaftlicher Entwicklung hier kurz darlegen. Ruhlands bis zum Eintritt in den Bund der Land⸗ wirte(Herbſt 1894) vertretener wiſſenſchaftlicher Stand⸗ punkt iſt am überſichlichſten in ſeinemLeitfaden zur Einführung in das Studium der Agrar⸗ 66 politik niedergelegt, der im April 1894(bei Paul Parey in Berlin) erſchienen iſt. Darin iſt alles kurz zuſammen⸗ gefaßt, was Ruhland im voranliegenden Jahrzehnt in ein⸗ zelnen Schriften und Abhandlungen ausführlicher be⸗ handelt hatte. Wir können, unter Verweiſung auf dieſen Leitfaden, hier natürlich nur die Hauptpunkte ganz konzen⸗ triert geben. 1. Ausgangspunkt iſt ihm: Die Landwirt ſchaft muß(in allen Kulturländern) wieder in ihrer tatſächlichen Bedeutung als die weitaus wichtigſte Grundlage der geſamten Volkswirtſchaft anerkannt werden. Acker und Brot ſind das wichtigſte. Nur der Staat kann auf die Dauer beſtehen, der ſeine Volksernährung, völlig unabhängig vom Auslande, ſich ſelber ſchafft und erhält. Wenn ein Staat, um ein künſtliches Etportinduſtriegebäude zu türmen, auch nur einige Pfeiler ſeines Wirtſchafts⸗ baues über ſeine Grenzen hinaus auf fremden Grund und Boden ſetzt, ſo werden ihm nach allen bisherigen Lehren der Weltgeſchichte über kurz oder lang dieſe Tragpfeiler wieder abgebrochen und der ganze Bau fällt in Trümmer. Induſtrie und Handel dürfen nur in harmoniſcher Ent⸗