Mir hat noch Niemand bewiesen, dass die Agrarkrisis, soweit
„
sie sich als Folge des russischen und transozeanischen WMeltbewerbs
zeigt, auch in Zubunft in gleicher Stärke sich erweisen wird. Aber quch wenn das anzunehmen wäre, würde ich doch, zumal auch der Bauern- stand in Mitleidenschaft gesogen und in grossem Umfange Hroletari- siert würde, die allerernustesten volkswirtschaftlichen Bedenken tragen, einer solchen Wirtschaftspolitik, die das landwirtschaftliche Gewerbe mit seiner grossen sozialen Bedeutung seinem Schicksal überliesse, zu- zustimmen. Wenn es Wittel giebt, eine Klasse zu retten, ohne dass diese die gesamte volkswirtschaftliche Entwickelung stören und auf- halten, so dürfen diese Mittel nicht unversucht bleiben. Die brilische wirtschaftliche Entwichelung ist für mich hein unbedingtes Ideal. Ioh sehe in einer Nation, die einen landwirtschaftlichen Grundbesitserstand hat, der mit der Scholle verwachsen und der Träger historischer Traditionen ist, ein gesundes Gegengewicht gegenüuber den Mächten des allzu stürmischen Fortschrittes. Mir scheint, unsere nächste Aufgabe Fann nicht sein, die Flinte ins Korn zu werfen. Zum mindesten gilt es, Zeit zu gewinnen für das grosse Wer der inneren Kolonisation, und für diese Zeit bedürfen wir einen Krisenschutz, der langsam in die neuen wirtschaftlichen Verhältnisse überleitet. Ist es erwiesen, dass seil den Caprivischen Handelsverträgen mit der Ermässigung der Ge- treidezölle die Lage unserer Landwirte sich weiterhin verschlechtert hat, so muss— das ist die Hauptthesis, die ich hier vertreten will— wenigstens der Versuch gemacht werden, ob wir brauchbare Handels- verträge szu Stande bringen mit einer mässigen Erhöhung der Ge- treidezölle.
Der Zollsats von S.Jo Mé. wird heute vielfach wie eine heilige Zahl angesehen. Selbst ein Abgeordneter, der zur Süddeulschen LFolks- bartei gehört, also zu derjenigen bürgerlichen Partei, die die weit- gehendsten soszialpolitischen Forderungen in ihr Programm aufgenommen hat, erklärte vor Jahresfrist in einer öffentlichen Versanmlung, dass er nicht einzusehen vermöge, warumd der durch die Caprivischen Handels- verträge geschaffene Zollsats der unverrückbare Punkt sein müsse, um den sich die handelspolitische Diskussion drehe. Bei einem Zollsatz
von Mhb. in der Aera des aulonomen Tarifs hatten wir längere Zeit


