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Ruhland, Köhler-Langsdorf & Co. : eine Streitschrift / von Dr. jur. et phil. Magnus Biermer, ordentlichem Professor der Staatswissenschaften an der Universität Gießen
Entstehung
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denunziert und ſogar den Verſuch gemacht, die Schüler gegen die Lehrer auszuſpielen. Auch dabei hat er ſich noch nicht begnügt; denn er hat der heſſiſchen Staatsregierung und der Kammer einen beſtimmten, mit vollem Namen genannten Kan⸗ didaten, Herrn Profeſſor Dr. Ruhland, früher Privatdozenten an der Univerſität Zürich, dann Profeſſor an der Dominikaner⸗ lehranſtalt zu Freiburg in der Schweiz und nationalökono⸗ miſchen Experten beim Direktorium des Bundes der Landwirte, als beſonders qualifizierten Gelehrten und Dozenten für den neuen Lehrſtuhl in Vorſchlag gebracht. Es iſt alſo dem heſ⸗ ſiſchen Parlament vorbehalten geblieben, ſich mit einem An trage beſchäftigen zu müſſen, der nicht nur in der Schaffung einer ausgeſprochen politiſchen Profeſſur, ſondern auch in der Berufung einer ganz beſtimmten Perſönlichkeit gipfelt.

Es liegt uns fern, auf die hier geſtellte Perſonenfrage einzugehen. Was uns und weitere Kreiſe intereſſiert, iſt nur die Feſtſtellung der Tatſache, ob Profeſſor Biermer wirklich bauernfeindlich-mancheſterlich und Herr Profeſſor Ruhland wirklich ausgeſprochen agrar⸗ſchutzzöllneriſch im Sinne Köhlers und ſeiner Partei ſind. Wir können uns bei der Feſtlegung dieſes Tatbeſtandes von einer ausfallenden perſönlichen Po⸗ lemik frei halten; denn beide Autoren, Biermer und Ruhland, haben zu dem Getreidezollproblem, das ja gegenwärtig im Mittelpunkt der Diskuſſion ſteht und für die lex Köhler⸗-Langs⸗ dorf ausſchlaggebend war, literariſch Stellung genommen.

Profeſſor Dr. Biermer⸗Gießen hat vor zwei Jahren im Mittelrheiniſchen Fabrikantenverein zu Mainz über die Ge treidezölle einen Vortrag gehalten, der im Druck vorliegt. Wir geben hier den wichtigſten Paſſus wörtlich wieder. Obgleich ſich ſeit jenem Vortrag in unſerer zollpolitiſchen Situation ſehr Vieles geändert hat, verdienen die Ausführungen Biermers auch heute noch Beachtung, umſomehr, wenn man ſie mit den jenigen Ruhlands, die wir nachher abdrucken, in Vergleich ſtellt.

Profeſſor Biermer ſagte am 17. Januar 1901 in ſeinem Mainzer Vortrag wörtlich Folgendes: