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rheiniſch⸗weſtfäliſchen Großinduſtrie zu vertreten verſprächen. In der Bayeriſchen Kammer haben die Bauernbündler die Münchener Profeſſoren Brentano und Lotz auf das heftigſte angegriffen und von der Regierung verlangt, daß bei der Berufung von Dozenten deren wirtſchaftspolitiſche Stellung genauer als bisher geprüft werden möge. In Baden ſind die Vorſchläge der Fakultäten, die den Breslauer National⸗ ökonomen Sombart in erſter Linie nominierten, an dem Wider⸗ ſtand der Regierung geſcheitert. Ähnliche Vorgänge der Art ſind in Fachkreiſen ein öffentliches Geheimnis. Sie betreffen im Übrigen nicht nur das beſonders exponierte Fach der Na⸗ tionalökonomie, ſondern auch die Disziplin des Staatsrechts, der Philoſophie und die geſamte proteſtantiſche Theologie. Was die Theologie anbetrifft, ſo haben beſtimmte rechtsſtehende Parteirichtungen bereits große Erfolge zu verzeichnen, nament lich in Preußen. Dort hat man„Strafprofeſſuren“ geſchaffen, um kirchlich liberal gerichtete Fakultäten in Schach zu halten. Die Fakultäten, die immer nur die wiſſenſchaftliche Befähigung für die Beſetzung der Lehrſtühle ausſchlaggebend ſein laſſen wollten, haben es nicht verhindern können, daß man ihnen Profeſſoren einfach octroyiert hat.
Inſofern politiſche und kirchliche Richtungen die Freiheit der Wiſſenſchaft zu untergraben ſuchten, iſt alſo der Antrag Köhler⸗Langsdorf, der demnächſt die Zweite heſſiſche Kammer beſchäftigen ſoll, nichts Neues. Dieſer Vorſtoß iſt vielmehr nur ein Glied einer langen Kette parlamentariſcher Üübergriffe in die hiſtoriſch altbewährten Rechte der deutſchen Univerſitäten und in das verfaſſungsmäßige Selbſtbeſtimmungsrecht der vorgeſetzten Miniſterien. Indeſſen iſt Herr Köhler⸗Langsdorf nicht dabei ſtehen geblieben, der Staatsregierung nur eine be— ſtimmte Richtung, die ſie zu berückſichtigen habe, vorzuſchreiben, ſondern er iſt noch einen Schritt weiter gegangen. Einmal hat er die beiden Gießener nationalökonomiſchen Dozenten als im Händler⸗ und Börſenſtandpunkte befangen hingeſtellt, er hat ſie ferner bei der Studentenſchaft als einſeitig-verbohrt


