II.
Die„Gießener Neueſten Nachrichten“ brachten in ihrer Nr. 23 vom 28. Januar 1903 folgenden Leitartikel aus meiner Feder. Ich hatte im Gegenſatz zu meiner ſonſtigen Gewohn— heit den Artikel nicht mit meinem Namen unterzeichnet, aus dem ganz einfachen Grunde, weil ich von mir ſelbſt in der dritten Perſon ſpreche. Zur Vaterſchaft der Replik habe ich mich im Übrigen überall bekannt. Außerdem beſtand, ſoviel ich ſehen kann, nirgends der geringſte Zweifel darüber, wer den Aufſatz geſchrieben habe. Derſelbe lautet:
Die lex Köhler⸗Langsdorf.
Der Zweiten heſſiſchen Kammer liegt bekanntlich ein Antrag des Herrn Abgeordneten Köhler⸗Langsdorf vor, wonach die Staatsregierung aufgefordert wird, neben der bisherigen ordentlichen Profeſſur für Nationalökonomie an der Landes⸗ univerſität eine zweite zu errichten und dieſe mit einem Ge— lehrten zu beſetzen, der agrariſche Anſchauungen im Sinne des Bundes der Landwirte vertritt. Es iſt nichts Neues, daß in unſeren deutſchen Parlamenten von beſtimmten Intereſſenten⸗ gruppen die Errichtung politiſcher Profeſſuren gefordert wird. Unter anderem iſt das wiederholt auch im Preußiſchen Land⸗ tage geſchehen. Dort hat der jetzt verſtorbene, freikonſervative Großinduſtrielle Freiherr von Stumm wiederholt verlangt, daß den Berliner Nationalökonomen Adolph Wagner und Guſtav Schmoller, die zu arbeiterfreundlich ſeien, Profeſſoren zur Seite geſtellt würden, die den Unternehmerſtandpunkt der


