12 infolge des gezeigten Umſtandes gezwungen iſt, Lehren zu unterliegen, deren Wahrheit von ihnen wohl ſelbſt angezweifelt werden muß und die den Anſichten der allergrößten Mehrzahl des heſſiſchen Volkes widerſprechen. Der Anfrageſteller erachtet es hiernach als einzig richtig, wenn die Großherzogliche Re— gierung dieſe Sache, die früher ſchon in einer Verhandlung des Landtages durch die Herren Abgeordneten Brauer und Friedrich in Bezug auf den früheren Profeſſor Laspeyres geſtreift wurde(ſiehe Protokolle des XXX. Landtags, Band I. Proto⸗ koll 27, Seite 586 und 587), ſich endlich einmal näher be— trachtete und Abhilfe ſchaffte.
Insbeſondere erſcheint es als eine gerechtfertigte For⸗ derung der bauernfreundlichen Kreiſe unſeres heſſiſchen Volkes, alſo der Mehrheit desſelben, wenn verlangt wird, daß neben der beſtehenden ordentlichen Profeſſur der Nationalökonomie mit der Smith⸗Ricardo'ſchen Richtung eine gleichgeordnete Profeſſur mit der oben geſchilderten Quesnay'ſchen Richtung (am beſten unter Berufung des Herrn Profeſſors Dr. Ruhland in Berlin ſelbſt) an der Univerſität Gießen alsbald ein⸗ gerichtet werde.
Ich frage hierzu:
1. Gedenkt die Großherzogliche Regierung in Anbetracht der geſchilderten Verhältniſſe an der Univerſität Gießen eine ordentliche Profeſſur für Nationalökonomie des phyſiokratiſchen Syſtems einzurichten?
Im Verneinungsfalle, was bewegt ſie zu der Nicht— beachtung dieſer aus den Kreiſen der Mehrheitsparteien des heſſiſchen Volkes geſtellten Forderung?
3. Gedenkt die Großherzogliche Regierung dieſe Fragen
ſo zeitig zu beantworten, daß über dieſelben gelegent— lich der Budgetberatung 1903/04 zu Kapitel 36(Lan⸗
desuniverſität) im Plenum des Landtages verhandelt werden kann?“
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