I.
Die Anfrage des Abgeordneten Köhler-Langsdorf betreffend die Beſetzung des Lehrſtuhls für National— ökonomie an der Univerſität Gießen.
Am 19. Dezember 1902 reichte der antiſemitiſche Abge⸗ ordnete Herr Köhler⸗Langsdorf, der auch den Wahlkreis Gießen im Deutſchen Reichstage vertritt, ſeines Zeichens ein kleiner Landwirt und Bürgermeiſter des Marktfleckens Langsdorf in Oberheſſen, eine ſogenannte„Anfrage“ bei der Zweiten heſſiſchen Kammer ein. Dieſe Anfrage iſt als Druckſache Nr. 74 ſpäter herausgekommen und lautet, wie folgt:
„In der von Edmund Klapper herausgegebenen„Deutſchen Agrarzeitung“, 48. Heft, vom 23. November 1902, erſcheinend zu Berlin W, Potsdamerſtraße 121 E, finden ſich auf den Seiten 629, 630 und 631 folgende Ausführungen:
„Der Ackerbau in der Nationalökonomie.
In ſeinem umfaſſenden nationalökonomiſchen Werke „Syſtem der politiſchen Okonomie“(Berlin, Verlag von W. Ißleib) beſchäftigt ſich Profeſſor Ruhland auch mit den in Geltung geweſenen nationalökonomiſchen Syſtemen, deren Ideengehalt er herauszuſchälen unternimmt und die er unter dem Geſichtswinkel der Zeitverhältniſſe, da ſie entſtanden, ſowie vom Stande unſerer heutigen wirtſchaftspolitiſchen Anſchau⸗ ungen aus, einer kritiſchen Prüfung unterwirft, indem er ſo die politiſche Okonomie in ihrem Gährungs- und Werdeprozeſſe


