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Ruhland, Köhler-Langsdorf & Co. : eine Streitschrift / von Dr. jur. et phil. Magnus Biermer, ordentlichem Professor der Staatswissenschaften an der Universität Gießen
Entstehung
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einen ſo rückſichts- und ſchamloſen Vorſtoß gegen die aka demiſche Lehrfreiheit, unter der die deutſchen Hochſchulen auf eine bewunderungswürdige Höhe gekommen ſind, gemacht, wie jetzt. Ich meine nicht etwa die dummen Verdächti⸗ gungen, die in dem Antrag Köhler⸗Langsdorf gegen meinen Herrn Kollegen Dr. Liefmann und meine Perſon ausge⸗ ſprochen oder wenigſtens angedeutet ſind. Hier haben Halbbildung und Ignoranz die plumpe Feder eines national ökonomiſchen Abeſchützen geführt. Solche Angriffe könnte man in der Tat auf ſich beruhen laſſen; denn ſie richten ſich ganz von ſelbſt. Aber die Sache hat leider auch eine große prinzipielle Bedeutung. Sie liegt darin, daß zum erſten Male der Verſuch gemacht wird, von dem Parlamente das Recht zu ertrotzen, beſtimmte politiſche Agitatoren und Demagogen in den Univerſitätslehrkörper einzureihen und ihnen das verant⸗ wortungsvolle Fach der Nationalökonomie zu überlaſſen. Ich habe nichts dagegen, wenn man neben meiner wirtſchafts⸗ politiſchen Richtung auch andere wiſſenſchaftlich ernſt zu nehmende auf der Univerſität zu Worte kommen läßt. Das kann mir im Gegenteil nur angenehm ſein; denn im wiſſen⸗ ſchaftlichen Leben giebt es keine Konkurrenz im gewöhnlichen Sinne des Wortes, oder es ſollte wenigſtens keine geben. Will man die Lehrſtühle der Nationalökonomie vermehren, ſo hebt das nur die Bedeutung des Faches und dafür trete ich, ſolange ich nationalökonomiſcher Dozent bin, mit Nachdruck ein. Wogegen ich mich aber mit aller Energie ſträuben werde, iſt die Degradierung der Nationalökonomie als Lehrfach zu einem Mittel für die beſſere Vertretung ſelbſtſüchtiger wirtſchaftlicher Intereſſen. Gelänge ein ſolcher frivoler Plan, ſo hätte die Nationalökonomie aufgehört, eine Wiſſenſchaft zu ſein. Sie würde auf das denkbar niedrigſte Niveau herabgedrückt werden, ſie wäre proſtituiert.

Ich trete mit meiner Broſchüre nicht nur für die Rein⸗ haltung unſerer Univerſität ein. Die Gießener Hochſchule iſt nur eine unter vielen. Den Kampf, den ich hier als Einzelner