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der mir gänzlich abgeht— ich habe niemals eine politiſche Rolle zu ſpielen verſucht—, ſondern, weil heutzutage in dem wüſten Kampf der wirtſchaftlichen Intereſſen es patriotiſche Pflicht eines Lehrers der Staatswiſſenſchaften iſt, von einem un— intereſſierten Standpunkte aus die wirtſchaftspolitiſchen Tages⸗ kämpfe zu regiſtrieren und, wenn es ſein muß, kritiſch zu be⸗ leuchten. Ich ſuche, weiß Gott, den Kampf mit den Parteien nicht. Auch mir iſt es behaglicher zu Mute, wenn ich nicht öffentlich hervorzutreten brauche. Ich habe ſehr viel Sinn für ein beſchauliches und ſtilles Gelehrtenleben, wo ich ganz meinem Fache, meiner Lehrtätigkeit und meinen wiſſenſchaft⸗ lichen Studien mich widmen kann. Auch würde damit meine Zeit, die manchmal knapp genug bemeſſen iſt, vollauf aus— gefüllt ſein.
Indeſſen ſind das fromme Wünſche. Von den ver⸗ ſchiedenſten Seiten verſucht man es, ſich an mir zu reiben. Man verdächtigt mich und ſpricht mir das Recht ab, mich dagegen zu wehren. Ich habe keine Luſt, mir das auf die Dauer gefallen zu laſſen; denn ich vermag nicht einzuſehen, warum ich, den mein Fach wohl oder übel in die engſte Be⸗ ziehung zu den wirtſchaftspolitiſchen Gegenſätzen der Gegen⸗ wart bringt, auf diejenigen ſtaatsbürgerlichen Rechte verzichten ſoll, die jedem halbgebildeten Knoten ohne weiteres preßrecht⸗ lich zuſtehen. Ich habe glücklicherweiſe auch Temperament genug, meine Klinge zu führen, wenn man auf mich eindringt. Dabei verſtecke ich mich hinter keine Partei, weil es keine Partei giebt, die mich ohne Hintergedanken verteidigen kann oder will. Der einzige Troſt, der mir in dieſer üblen Lage bleibt, iſt der, daß faſt alle meine Spezialkollegen ähnlichen Konflikten ausgeſetzt waren, und daß die meiſten von ihnen ebenfalls zur Feder gegriffen haben, um ſich ihrer Haut kräftig zu wehren.
Der Fall, dem die vorliegende Broſchüre ihre Entſtehung verdankt, iſt ein beſonders gearteter. Soweit ich ſehen kann, iſt er einzig in ſeiner Art. Kaum jemals zuvor hat man


