Vorrede.
Es hat den Anſchein, als ob ich in Gießen meiner akademiſchen Lehrtätigkeit nicht recht froh werden ſoll. Kaum war ich hierher übergeſiedelt, ſo nahmen mich die agrariſchen Bündler aufs Korn, griffen mich offen oder verſteckt in der Tagespreſſe an, ſuchten mich bei meinen Kollegen und Studenten anzuſchwärzen, und neuerdings wagen ſie ſogar, nachdem ſie von auswärts Succurs erhalten haben, direkte Vorſtöße im Parlament gegen meine Perſon und meine Richtung. Ich weiß ſehr wohl, daß viele Bekannte, die es mit mir gut meinen, den Standpunkt vertreten, daß es unter meiner Würde ſei, mich mit ſo ungleichen Gegnern in der Tagespreſſe herumzu ſchlagen. Es ſei vornehmer und auch zweckmäßiger— ſo ſagt man—, wenn ich allen Anzapfungen ein ſouveränes Schweigen entgegenſetzte. Leute, die das ſagen, haben gut reden; denn ſie gehören zu denjenigen, die keine Gefahr laufen, täglich ihren guten Namen in der Zeitung herum— gezerrt zu ſehen. Sie werden in Ruhe gelaſſen und in der ernſten und gewiſſenhaften Erfüllung ihres Berufs nicht ſyſte— matiſch geſtört.
Bei mir als Nationalökonomen liegt aber die Sache ganz anders. Ich ſtehe mit meinem Fache in der breiten ffentlich⸗ keit; ich nehme warmherzigen Anteil an Allem, was unſer wirt— ſchaftliches und politiſches Leben bewegt. Ich muß das, weil ich unter Anderem auch Lehrer der Wirtſchaftspolitik bin. Ich muß zu den ſozialökonomiſchen Problemen auch der Gegenwart feſte Stellung nehmen; nicht, weil ich einen politiſchen Ehrgeiz habe,


