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Ja, wir hätten ihn gern noch länger in unſrer Mitte gehabt, denn wir kannten die Vorzüge ſeines Geiſtes und Herzens. Wer von uns hätte nicht einmal Gelegenheit gehabt, ſich an der gediegenen Tüchtigkeit und Geſchicklichkeit zu er⸗ freuen, welche der Entſchlafene während ſeiner Lehrzeit zu Gießen und Marburg ſich erworben, und auf ſeinen Reiſen in Deutſchland und der Schweiz noch weiter ausgebildet hatte, indem er mit friſchem, hellem Sinn das Bemerkens⸗ und Nachahmenswerthe überall herauszufinden und ſich anzueignen wußte! War ſie doch ſo wohl bekannt, daß vor wenig Jah⸗ ren ein Ruf in die ferne Krim ihn uns entführt haben würde, wenn nicht die Liebe zu ſeiner Heimath ihn bei uns feſtge⸗ halten hätte! Wer hätte nicht wahrgenommen, wie die An⸗ ſtalt, welche nunmehr etwa 14 Jahr zunächſt ſeiner Obhut und Pflege anvertraut geweſen iſt, ſich von Jahr zu Jahr gehoben hat, wie die Verbindung des Nützlichen und Noth⸗ wendigen mit dem Schönen in ihr immer augenfälliger her⸗ vorgetreten iſt? Wer hätte nicht einmal gehört, wie er unter den Genoſſen ſeines Amtes und ſeiner Kunſt eine geach⸗ tete Stellung eingenommen, deſſenungeachtet aber nie ſelbſt⸗ zufrieden, niemals bei dem bereits Errungenen ſich beruhigend rüſtig weiter und immer weiter geſtrebt hat?
Haben dieſe Vorzüge ſchon den Entſchlafenen uns lieb und werth gemacht, ſo haben ihn doch die Vorzüge ſeines Herzens uns faſt noch mehr empfohlen, ihm in dem Anden⸗ ken Vieler eine bleibende Stelle geſichert. Wir haben es, m. Fr., mit Zuverſicht ausſprechen hören, er habe in der ganzen Stadt wohl keinen Feind gehabt, darin ſeinen Pflege⸗ kindern, den Blumen und Pflanzen gleich, Haß nicht zeigend, Haß nicht leidend! Es iſt ein kühnes Wort, und doch mögen wir es glauben, wenn wir das Leben des Entſchlafenen über⸗ blicken und wahrnehmen, wie unbeſcholten und wacker er ſich in allen Verhältniſſen bewieſen hat. Fragen wir ſeinen nächſten Vorgeſetzten, er iſt voll Anerkennung für ſeine Gewiſſenhaftigkeit und ſeine nie nachlaſſende Willigkeit; fra⸗
klär


