Druckschrift 
Wald-Fest zur Feier der Immatrikulation des 1000. Studenten an der Universität veranstaltet von der Stadt Giessen im Philosophenwald am 2. Juli 1902
Entstehung
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Allein das rechte Burſchenherz kann nimmer⸗ mehr erkalten; im Ernſte wird, wie hier im Scherz, der rechte Sinn ſtets walten; die alte Schale nur iſt fern, geblieben iſt uns doch der Kern, und den laßt feſt uns halten!

Drum, Freunde, reichet euch die Hand, damit

es ſich erneue der alten Freundſchaft heilges

Band, das alte Band der Treue. Klingt an

und hebt die Gläſer hoch, die alten Burſchen leben noch, noch lebt die alte Treue! Dr. E. Höfling.

X.

Weinen Tropfen im Becher mehr und der Beutel ſchlaff und leer, lechzend Herz und Zunge. Angethan hat's mir dein Wein, deiner AÄuglein heller Schein, Lindenwirtin, du junge! Lindenwirtin, du junge!

Und die Wirtin lacht und ſpricht:In der

Linde giebt es nicht Kreid' und Kerbholz,

leider, haſt du keinen Heller mehr, gieb zum

Pfand dein Ränzel her, aber trinke weiter, aber trinke weiter!

Tauſcht der Burſch ſein Ränzel ein gegen

einen Krug voll Wein, thät zum Gehn ſich

wenden. Spricht die Wirtin:Junges Blut,

haſt ja Mantel, Stab und Hut; trink und laſſ' dich pfänden!

Da vertrank der Wanderknab Mantel, Hut

und Wanderſtab, ſprach betrübt:Ich ſcheide.

Fahre wohl, du kühler Trank, Lindenwirtin,

jung und ſchlank, ſchönſte Augenweide, ſchönſte Augenweide!

Spricht zu ihm das ſchöne Weib:Haſt ja noch ein Herz im Leib, laſſ' es mir zum Pfande! Was geſchah, ich thu's euch kund: Auf der Wirtin rotem Mund heiß ein andrer brannte, heiß ein andrer brannte.