Wanderungen durch die nähere Umgebung. 289
hann von Nassau-Weilburg; allerdings war unterdes viel davon durch anderweite Erbschaft und Schenkung verloren gegangen. Dafür wurde die Burg unter Nassauischer Herrschaft sehr be- trächtlich ausgedehnt, auch wurden die noch erhaltenen Wirt- schaftsgebäude errichtet.
Kneipzimmer auf dem Gleiberg
Das alte Haus stand so stolz und fest noch im dreißigjährigen Kriege, aber den langersehnten Frieden erlebte es nicht mehr. Nachdem während des verderblichen sog. Marburger Erbfolge- kriegs die Hessen-Kassel’schen Truppen 1646 im Bunde mit den Schweden unter Königsmark und Wrangel Marburg erobert hatten, blockierten sie Gießen und beschossen den von Hessen-Darmstadt besetzten Gleiberg mit acht Kanonen. Nach mutiger Verteidigung kapitulierte der Kommandant, Hauptmann Hofmann, weil er schon seit zwei Tagen weder Wasser noch Brot mehr hatte. Die Hessen-Kasseler verbrannten die Burg Gleiberg am 9. Juni 1646. Seitdem ist sie eine Ruine, und dienten die noch unter Dach befindlichen Teile, der Nassauer und der Albertusbau, als Zehntscheuern und zu ähnlichen Zwecken, zuletzt aber standen sie leer und gingen ihrem Zerfall rasch entgegen.
Eine durch Jahrhunderte unter mächtigen Geschlechtern blühende Ritterburg war nicht aus einem Guß. Noch jetzt er- kennt man an den Ueberresten die sehr verschiedenen Baustile. Mächtige Schuttberge sind unterdessen weggeräumt, Gänge und Gewölbe geöffnet worden, aber dem Brand und dem späteren Raub widerstanden kaum. Kleinigkeiten. Die zurzeit unter Dach stehenden Gebäude sind offenbar durch den ältesten viereckigen Bergfried, dessen Reste gefunden wurden, vor dem Feuer bewahrt geblieben. Aber auch diese wären zerfallen, wenn nicht Freunde der Burg sich derselben angenommen hätten. Anfangs der
Ro:h’s Illustr. Wegweiser durch die Universitätsstadt Gießen. 19
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