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Wegweiser durch die Universitätsstadt Gießen und ihre Umgebung : Gießener Verkehrshandbuch / [Hrsg.: Hermann Oesterwitz]
Entstehung
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Geschichte der Stadt Gießen. 37

fatius das Christentum eingeführt worden. Die Urkunden, ın denen sich die Klöster ihren Besitz verbriefen ließen, und die Register, in die sie die Schenkungen eintrugen, melden uns zuerst die Namen der benachbarten Orte. Das alte Kloster Lorsch vornehmlich hatte hier reiche Güter und nennt in seinem Traditionskodex vom Ende des 8. und Anfang des 9. Jahr- hunderts außer dem oben genannten Ursenheim die Lindener und die Wiesecker Mark, Buseck, Allendorf, Leihgestern und Krofdorf, sodann aber, was uns am nächsten berührt, Selters (Saltrissa 775) und Achstadt(Hahenstat, Haggenstat 817).

Um dieselbe Zeit erscheint im Lahngau ein Geschlecht, das zum Karolingerhause in nahen Beziehungen steht. Es sind die Konradiner, die im dauernden Besitze des Grafenamts mächtig emporstreben, Herzöge in Franken werden und schließ- lich einen ihrer letzten Sprossen als Konrad I. den deutschen Königsthron besteigen sehen(911). Diesem Geschlecht, viel- leicht gerade König Konrad, verdankt die Burg Gleiberg ihre Entstehung(um 900), wohl um ein Stützpunkt zu sein in der schweren Fehde, die die Konradiner mit den Babenbergern auch in unserer Gegend ausfochten.

Die Feste fiel durch Erbgang an Seitenverwandte und wir finden auf ihr im Beginne des folgenden Jahrhunderts das Geschlecht der Luxemburger Grafen, das sich nach dem Glei- berg nennt.

Diesem Hause gehörte die Stifterin des Augustinerklosters Schiffenberg an. Sie wird Clementia, Gräfin von Glei- berg genannt, obgleich sie die Schenkung durch die Hand ihres Gemahls, des Grafen Gerhard von Geldern, macht. Man hat daher angenommen, daß sie eine geborene Gräfin von Gleiberg gewesen sei; indessen hat Wyß mit größter Wahrscheinlich- keit nachgewiesen, daß sie eine Gräfin von Longry war und ihren Gleiberger Titel aus ihrer ersten Ehe mit Graf Konrad 1. von Luxemburg führte. Ihr Besitz in unserer Gegend leitete sich demnach von ihrem Wittum erster Ehe her. Die Pfalz- eräfin Gertrud, die als Besitzerin des vierten Teiles des Wiesecker Waldes in der Stiftungsurkunde auftritt, war in zweiter Ehe vermählt mit Graf Otto von Rieneck, einem Sohne des Gegenkönigs Hermann von Luxemburg aus dem Gleiberger Stamm. Die Stiftung des Schiffenbergs geschah im Jahre 1129. Zwei Menschenalter später begegnen wir zum erstenmale dem Namen Gießen in einer Urkunde vom Jahre 1203, die einen im Jahre 1197 zwischen den Klöstern Arnsburg und Schiffen- berg vollzogenen Gütertausch bestätigt und an der Spitze der