| 38 Geschichte der Stadt Gießen.
Zeugen die unterdessen aber verstorbene Salome comi- | tissa de Giezzen aufführt.| Das Rätsel, wie Gießen gegründet wurde, ist noch nicht gelöst. Eine Vermutung, die sehr plausibel klingt, ist die, daß das Kloster Schiffenberg, dessen Vogtei jedesmal dem ältesten der Gleiberger Erben der Gräfin Clementia zustand, eines Schutzes bedurfte, der namentlich bei hohem Wasserstand der Lahn vom Gleiberg aus nicht gewährt werden konnte. Des-|
halb mußte auf dem linken Ufer des Flusses ein Stützpunkt
geschaffen werden, für den sich wegen der leicht möglichen
Anlage einer Wasserburg die am Einfluß der Wieseck in die Lahn gelegene Oertlichkeit„zu den Gyezen“, d. 2 ze den
Altes Städtebild von Gießen
Bächen‘“, vortrefflich eignete. Eine andere Möglichkeit wäre die, daß eine Mauthstätte an der Lahnfurt, eine dritte, dab ein| Witwensitz hätte geschaffen werden sollen. Da Salome schon 1197 Gräfin von Gießen genannt wird, so muß die Gründung|
vor diese Zeit fallen, wie lange vorher— steht dahin. Ebenso fruchtlos ist eine Untersuchung, ob damals schon eine Stadt,| oder wenigstens ein über den Umfang einer Burg sich erheben-|
der Ort bestand, denn von Bürgern und einer Gemeinde hören wir erst viel später. Als sicher kann augenblicklich nur an- genommen werden, daß die Burg mit Burgmannen besetzt wurde und auch als Herrensitz diente. Ihre erste Anlage ist nicht, wie man noch heute vielfach irrig glaubt, in dem alten Schloß am Kanzleiberg, sondern nach \ den Ermittelungen des Freiherrn Schenk v. Schweinsberg, hinter


