mit der Uebersetzung von Darwin's Reise in der»Beagle« beschäftigt. Die naturwissenschaftlichen Fächer waren jedoch nicht nur an der Universität in guten Händen; an der seit einigen Jahren in Giessen begründeten Realschule hatten sie gleichfalls ausgezeichnete Vertreter gefunden. Chemie lehrte dort Carl Ettling, früher Assistent bei Liebig, ein hervorragender Mineraloge; der physikalische Unterricht wurde von Johann Müller gegeben, dem späteren Professor in Frei- burg, bekannt zumal durch seine treffliche Bearbeitung des Pouillet- schen Lehrbuches der Physik, aus welchem ganze Generationen von Chemikern ihre physikalischen Kenntnisse geschöpft haben. Füge ich den hier aufgezählten Vertretern der Naturwissenschaften noch die Namen Moritz Carriere und Adolf Bardeleben, Ersterer damals Privatdocent der Philosophie, Letzterer Prosector, Beide noch heute in ungeminderter Frische des Körpers und des Geistes an zwei grossen Universitäten unseres Vaterlandes von wissensdurstigen Hörerkreisen umgeben, endlich den des Buchhändlers A. Ricker hinzu, der später den Liebig-Kopp'schen Jahresbericht verlegen sollte, so habe ich wohl die Mehrzahl der Männer genannt, mit denen Heinrich Will damals in wissenschaftlichem und freundschaftlichem Verkehre stand.
Wer sich indessen in diesen engeren Freundeskreis zurückversetzt, der wird nicht umhin können, auch Derer zu gedenken, welche damals als Lernende aus allen Theilen der Welt in der kleinen hessischen Lahnuniversität zusammengeströmt waren und welche, obschon zu- nächst durch Liebig's Weltruf angezogen, sich doch stets auch als Schüler Will's betrachtet haben. In der That, während ich diese Zeilen schreibe, drängt sich Erinnerung an Erinnerung, und die Gestalten der Jugendgenossen ziehen an meinem Geiste vorüber, eine fast un- übersehbare Reihe: Viele, mit denen ich lebenslang Freundschaft und Verkehr gepflogen habe, Viele aber auch, denen ich nur noch selten, oft nach langen Unterbrechungen, begegnet bin, die jedoch gleichwohl meinem Gedächtnisse nicht entschwunden sind. Welche Schaar be- geisterter Jünglinge, eben in die Wissenschaft eintretend und noch in dem Wahne befangen, dass man das Ziel im Sturm erreichen könne, hat damals gleichzeitig oder in rascher Aufeinanderfolge in dem Giessener Laboratorium gearbeitet! aber auch welche Zahl schon gereifter junger Männer, welche sich auf dem Felde der Forschung ihre Sporen bereits verdient hatten! Und wie Viele der in jungen Jahren zu ernster Arbeit Vereinten haben denn doch auch später gezeigt, dass sie nicht fruchtlos gearbeitet hatten! Die Meisten sind später in angesehenen, wenn nicht hervorragenden Stellungen thätig gewesen.
Die Mehrzahl der Wissensdurstigen gehörte natürlich unserem Vaterlande an, das Ausland war indessen gleichfalls gut vertreten. Ich will es mir nicht versagen, Einige der Will besonders Befreun- deten hier namhaft aufzuführen, und da fallen mir in erster Linie


