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Ueber die Bemerkungen in Bezug auf orientalische Sprachen / Dr. J.A. Vullers
Entstehung
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31 inſofern, als er im neuen Studienplane zuerſt vorgeſchrieben wird, denn die Philologie Studirenden der Ludoviciana haben ſchon vor vielen Jahren, theils aus ganz freien Stücken, theils ange⸗ regt durch die Vorträge ihrer Lehrer, das Sanskrit nebenbei ſtu⸗ dirt und es auch darin, wie die mündliche Prüfung ergab, ſo weit gebracht, daß ſie im Ueberſetzen und Erklären eine ziemliche Fertigkeit beſaßen. Auch im Auslande ſtudiren faſt alle Philolo⸗ gen Sanskrit, wenn es ihnen gleich nicht vorgeſchrieben iſt, und wir haben gerade den Gymnaſiallehrern ſehr viele ſchätzbare ſprach⸗ vergleichende Unterſuchungen über die Lautlehre, das Declinations⸗ und Conjugationsſyſtem u. dgl. zu verdanken. Das Studium des Sanskrit iſt auch durchaus nicht ſo abſchreckend und ſo viele Zeit erfordernd als Herr Geh. Rath Schleiermacher es dar⸗ ſtellt, indem er ſagt:Das Studium der Sanskrit⸗Grammatik iſt zu Folge der bei uns üblichen, im Vergleich zu denen der Indiſchen Grammatiker ſehr erleichterten Methoden in einem weit kürzeren Zeitraum möglich geworden, als dieß für die ein⸗ gebornen Hindus der Fall iſt, deren Sprachen unmittelbar von dem Sanskrit abſtammen, wovon ſie den Wörterſchatz neben mehr oder weniger fremden Beimiſchungen beibehalten haben, ſo ungefähr wie das Italiäniſche und Spaniſche von dem La⸗ teiniſchen. Demungeachtet werden bei den Hindus zwei bis ſechs Jahre, und im Fall Panini's Grammatik ſtudirt wird, ſogar zehn bis zwölf Jahre auf den grammatiſchen Curſus des Sanskrit verwandt. So ſehr nun dieß bei uns vereinfacht ſeyn mag, ſo muß ſich doch das Gedächtniß eine ſehr große Maſſe von Formen, wobei eine Menge irregulärer ſind, einprä⸗ gen, dann einige Wortkenntniß bei dem Ueberſetzen erwerben, ſich einigermaßen in dasſelbe einüben, was einen immerhin nicht ganz unbedeutenden Zeitaufwand erfordert. Die Sanskrit⸗Grammatik hat allerdings eine große Maſſe von Formen, wobei eine Menge irregulärer ſind, allein die re⸗ gulären Formen ſind, wenn man einmal mit den Wohl⸗ lautsregeln bekannt geworden iſt, gar nicht ſchwer zu bilden und prägen ſich dem Gedächtniß um ſo leichter ein, weil