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Statuten und Mitglieder-Verzeichniß des Sonderbundes zu Gießen 1847-1897 / Sonderbund zu Gießen
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FGiessen

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ie Anfänge des Sonderbundes reichen in das Sommer⸗Semeſter 1847 zurück. Damals wurde von einer Anzahl jüngerer Mediziner und Maturwiſſenſchaftler die Anregung gegeben, von Zeit zu Zeit Abends zu gegenſeitiger Mitteilung der Reſultate aus den einzelnen Forſchungsgebieten zuſammenzukommen. Befreundete Elemente aus den anderen Fakultäten ſchloſſen ſich an. Die Liſte der Stifter zeigt, daß die Teilnehmerſchaft nicht grundſätzlich auf die Univerſität beſchränkt war. Die Wirren in Folge des ſchweizeriſchen Sonderbundes bildeten damals das politiſche Tagesgeſpräch. Der Philoſoph Hille⸗ brand nahm davon den Anlaß, den neuen Verein als einen Sonderbund zu bezeichnen. Gern acceptirte man dieſe Bezeichnung: kein Name konnte beſſer das Weſen der Geſellſchaft ausdrücken, deren Stifter ſich in einem gewiſſen Gegenſatz zu dem an der Univerſität bereits beſtehenden VYerein fürKunſt und Wiſſenſchaft wußten.

Die erſte Sitzung fand Samstag, den 20. Oktober 1847, Abends 7 Uhr, im oberen Saale des Gaſthofs zum Rappen ſtatt. Hier hat man bis in die ſechsziger Jahre regel⸗ mäßig getagt, ſpäter mit den Lokalen oft gewechſelt. Seit 1889 verſammelt ſich die Geſellſchaft Winters wieder im Rappen, Sommers meiſt im Hotel Victoria. Während des Sommer⸗Semeſters 1875 hat ſie ſich vertagt.

Jahrzehnte hindurch iſt der Verein ein wirklicher, zeitweilig ſehr exkluſiver Sonder⸗ bund geweſen. Jetzt iſt er kein ſolcher mehr. Faſt alle Dozenten der Univerſität gehören dem Sonderbunde an. Längſt iſt er zum Symbol der einheitlichen Geſinnung geworden, die an der Ludoviciana herrſcht. Wir Alle wiſſen, was wir den wiſſenſchaftlichen und perſönlichen Anregungen der Samstagabende verdanken. Und wer von unſerenalten Herren noch an anderen Univerſitäten wirkt oder nach reicher Arbeit am Lebensabend in ſeinen Erinnerungen Umſchau hält, der denkt gern zurück an die eit, da er als aktives Mitglied dem Bunde angehörte.