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Kommiſſär Keil in die Schuhe zu ſchieben. Und es fehlte in der That ſehr viel. Einzelne Profeſſoren hatten hunderte von Büchern mit und ohne Schein entliehen, Crome z. B. hatte deren über 350 auf einmal, ohne daß er über deren Verbleib Auskunft zu geben wußte. Gegen den Nachlaß des Profeſſor Hezel wurde ſelbſt wegen fehlender Bücher Proceß eingeleitet.
Auffallend war auch, daß faſt alle lateiniſchen Klaſſiker in Taſchenformat fehlten, ohne daß wahrſcheinlich war, daß auch dieſe der Kommiſſär Keil entführt habe. Zwar hatte er ſich einiger der Bücher aus der May'ſchen Bibliothek bemächtigt, anderes aber, und gerade die Manuſcripte und die in den Schränken verſchloſſenen Bücher waren theils von den Mäuſen zerfreſſen, theils mit Schimmel bedeckt. Von der kleinen Münz⸗ ſammlung, die May der Hochſchule vermacht hatte, fehlten die meiſten aus edlem Metall, alle goldene.
Die Verluſte ſind jetzt verſchmerzt und hat ſich die Gie⸗ ßener Univerſitäts⸗Bibliothek in unſerem Jahrhundert unter einer wohlwollenden Regierung und einer gewiſſenhaften und ſorgfältigen, dabei aber höchſt zuvorkommenden Verwaltung zu einem beſonders nützlichen Theil der Hochſchule entwickelt.


