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Die Landes-Universität Giessen : einige Worte für ihre Erhaltung und vervollkommnete Einrichtung : den verehrlichen Kammern der Stände, des Großherzogthums Hessen und seinen Mitbürgern gewidmet / vom Abgeordneten G. F. Heyer
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Aa Vorwort an die Nichtmitglieder der verehrlichen Kammer muß ich zur rechtfertigenden Erläuterung bemer⸗ ken, daß meine Motion Nr. 1 des Nachfolgenden, bereits unterm 20 Juli 1820 von mir eingereicht wurde. Sie kam jedoch damals nicht in Berathung, ſondern, weil ſie auf den Finanz⸗Etat bezuͤglich war, wurde ſie an den erſten Ausſchuß verwieſen, um bey Gelegenheit der Berichte daruͤber, begutachtet zu werden. In dieſen Ta⸗ gen iſt das nun geſchehen. Der Herr College Floret war Berichterſtater, und der Herr College Balſer hat, als Red⸗ ner, daruͤber umſtaͤndlich geſprochen. Die zweyte Kam⸗ mer beſchloß hierauf, die ganze Angelegenheit an den er⸗ ſten Ausſchuß zuruͤckzuweiſen. Da ſich inzwiſchen aus den Debatten in der Kammer einige beſorgliche Aeuſſerungen gegen das unterſtuͤtzte Fortbeſtehen dieſes Lan⸗ desinſtituts in Gießen, ergaben, mir auch die Schilde⸗ rung der Gebrechen deſſelben hoͤchſt uͤbertrieben er⸗ ſchienen, ſo glaube ich es um ſo mehr in meinen landſtaͤn⸗ diſchen Pflichten liegend und als Mitbuͤrger dieſer Stadt begruͤndet zu finden, einige Worte fuͤr ſie bekannt zu machen, als ich mich mit beſorglichen Anfragen gleichſam beſtuͤrmt ſehe. Selbſt aus dem Auslande ſind mir ſchon Anfragen uͤber die Verlegung der Univerſitaͤt zugekom⸗ men. Werden daher dieſe wenigen Worte, Nr. 2, auch zu deren Beantwortung dienen, wird unſere verehrte Staatsregierung geruhen, den Ungrund dieſes Geruͤchts baldigſt auszuſprechen, dann werden meine Mitbuͤrger zu Gießen ſich einsweilen beruhigt finden, und ich glaube meiner Pflicht Genuͤge geleiſtet zu haben. Es handelt ſich hier von Rettung einer Stadt mit 7000 braven Un⸗ terthanen, von gaͤnzlicher Verarmung, es liegt in der Wagſchale, ein mehrere Jahrhunderte beſtehendes Inſti⸗ tut zu verbeſſern, zu vervollkommnen, oder ein Neues zu ſchaffen, man erwaͤge reiflich, es iſt hochſt wichtig welcher Beſchluß die geeignetſte Beachtung verdiene!

Um dieſe wenigen Worte nicht zu vergroͤßern, habe ſch den Ausſchußbericht ſowohl als die Rede des Herrn Colle⸗ gen Balſer, hier weggelaſſen, da beyde den Mitgliedern der zweyten Kammer bekannt ſind, auch demnaͤchſt in den Verhandlungen ſelbſt gedruckt erſcheinen.

Darmſtadt den 15ten Febr. 1821. G. F. Heyer⸗