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Akademische Erinnerungen, kulturgeschichtliche Beiträge und Erörterungen / von Dr. jur. Ernst Klein
Entstehung
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52 und ob es da beſonders ungezwungen, fröhlich und ſtudentiſch⸗gemüthlich hergeht oder nicht, das kümmert Dritte nicht.

Eine ganz andere Sache und Frage iſt es aber: ob andere Corps⸗

verbindungen, zumal nur oder faſt nur aus bürgerlichen Kreiſen, dieſes nachthun, ebenfalls derartiges zur Schau tragen, ob ſie ihnen Heeresfolge leiſten, ob ſie wie Jene räuspern und ſpucken, nach- und mitthun ſollen?

Mancher unbefangen prüfende und denkende Corpsſtudent und mancher die Hochſchule beziehende junge Mann wird nicht umhin können, dieſe Frage ebenſo zu verneinen, wie ſie thatſächlich in den weitaus über⸗ wiegenden Kreiſen der alten Herrn und in den weiteſten Kreiſen des deutſchen Volks auf das Entſchiedenſte verneint wird.(Eines ſchickt ſich nicht für Alle, ſehe Jeder, wie er's treibe.) Hier iſt nebſt dem mo⸗ dernen fechten die wirklich ſchwache Seite des modernen Corpsſtudententhums, hier kann der Hebel zur Beſſerung angeſetzt werden. In zahlreichen Schriften, periodiſch und gelegentlich, in der öffentlichen Preſſe, begegnet man fortgeſetzt mehr oder minder intenſiven Angriffen gegen die modernen Corps im Allgemeinen: Vorwürfe der Einſeitigkeit, derUeberhebung, desDünkels, derSchnipelei, der gegenſeitigen Steigerung der Selbſtſchätzung, desStreberthums, feudaler Allüren ꝛc. und wird einLosſagen von Vorurtheilen, eine Unabhängigkeit und Selbſtſtändigkeit des Denkens, eine Energie und Frei⸗ heit des Handelns, Einfachheit verlangt. Es ſollen dieſe Angriffe, neuer⸗ dings Grenzboten Nr. 50 vom 42. XII. 98, Nr. 51 vom 19. XII. 89, worin auch die Frage desReſerveoffizier und Student behandelt wird (beiläufig: die Stellung des im Bürgerthum befindlichen Reſerveoffiziers, nicht Berufsoffiziers, iſt etwas ganz für ſich und gehört nicht zum Corps, eine Verquickung kann nur zu empfindlichen Nachtheilen führen), es ſoll der Inhalt dieſer Angriffe hier nicht näher mitgetheilt werden, weil ich nur meine und andrer alten Herrn ehrliche Ueberzeugung und wohlgemeinte Anſicht zum Beſten der Corps zum Ausdruck bringen und alles Verletzende vermeiden will. Deshalb nur einige Bemerkungen; muß dabei, wie ärztlich mit dem Glüheiſen, Empfindliches berührt worden, ſo gebietet dieſes die Macht der Wahrheit, für welche viele Tauſende von Zeugen zur Seite ſtehen: Es kann mit Grund gar nicht geläugnet werden, daß die Corps von der früheren, für den Mitgliederbeſtand überaus günſtigen Einfachheit abgegangen ſind; es wird für nicht Noth⸗ wendiges, für recht Ueberflüſſiges und Nebenſächliches, für Luxus ich vermeide auf das Nähere einzugehen;O alte Burſchen⸗ herrlichkeit, wohin biſt Du geſchwunden, möchte man dabei in anderem