als dem Sinne des Liedes rufen— viel zu viel verausgabt und die Eltern, denen die Ausgaben für die Herren Söhne auf den Hochſchulen bekanntlich oft recht ſchwer fallen, verſagen thatſächlich immer mehr auch dieſerhalb die Zuſtimmung zum Eintritt. Sie müſſen es, wenn ſie mehrere Kinder und nicht reichlich Vermögen haben, wollen ſie nicht gewiſſenlos handeln. Ein Ueberſchreiten des Nothwendigen, jeder Luxus, im Zuſammenhang damit: Schulden, vermindert naturgemäß die Zahl der Mitglieder, wie eine Vergleichung der Beſtände von Corps aus früherer und moderner Zeit evident beweiſt. Hier könnte von den Corps mit gutem Willen ſehr vieles, aber gründlich zum Beſſeren geſchehen; ſie vergeben ſich dabei Nichts, im Gegentheil die Anerkennung und Achtung wird nicht ausbleiben und gute Früchte tragen. Der deutſche Corpsſtudent hat überhaupt nicht nöthig, dem„Kleider machen Leute“ zu huldigen und in das Gebiet im Publikum als„Geckenhaftigkeit“ be zeichneter Abſonderlichkeiten zu greifen und gewiſſe, ſogenannte„feudale Allüren“ zu zeigen. So wenig überhaupt ein Leichnam elektriſirt reſp. zum Leben gebracht werden kann, ſo wenig werden mittelalterliche Zu⸗ ſtände und Formen, dem ſtetig fortſchreitenden, allmächtigen Geiſte der Zeit gegenüber, jemals wieder lebensfähig zur allgemeinen Geltung und Herrſchaft gelangen können.
Auch die geſuchte, abſonderliche Sprechweiſe iſt ſchädlich; gelegent— lich eines Feſtcommerſes in München geiſelte dieſelbe neuerdings ein alter Herr: die Verfeinerung manches modernen Corpsſtudenten gehe ſoweit, daß er glaube nicht mehr„Deutſch“ reden zu dürfen, ſondern ſich mit viel Behagen, aber wenig Geſchick im Berliner Dialekt verſuche; es fordere die Satyre heraus ꝛc. In dem deutſchen Reiche iſt der Bundesſtaat Preußen der größte und bedeutendſte; wer könnte aber mit vernünftigem Grund das Anſinnen wagen: daß die Angehörigen der übrigen, gleich berechtigten Bundesſtaaten ihre heimathliche Sprache aufgeben und den preußiſchen Dialekt reden ſollen? Wie das Kind nimmer ſeine Mutter verleugnen darf, ſo muß ſchon die naturgemäße Anhänglichkeit an den heimiſchen Stamm von ſolcher Verirrung abhalten. Das ſchnarrende „Berlinern“ wird im Volke niemals als Dokument von Vornehmheit an⸗ erkannt, es hat, wo es nicht heimathlich iſt, keine Berechtigung, es imponirt auch ganz und gar nicht und muß, wo es künſtlich iſt, wieder abgelegt werden.
Zur Rückkehr in frühere Einfachheit, werden die ſchönen Worte Sr. Majeſtät des Kaiſers— Ende Janur 1890 im weißen Saale in Berlin an die Offiziersaſpiranten— über Einfachheit und Mä ßigkeit und die Warnung vor Aufwand und Luxus, nicht verfehlen, auch


